Outdoor ist out – Indoor ist in! Das könnte das Motto des Göttinger Indoor Altstadtfests sein. Richtig gute Bands, richtig gute Musik und vor allem richtig gute Laune. Doch wer steckt dahinter?

Die ersten Sekunden der sommerlichen Sonne schmerzen in den Augen. Doch nach wenigen Atemzügen gewöhnt sich die eigene Optik an diese fröhlich-leuchtende Szenerie und der Sommer kann genossen werden. Blauer Himmel, zwitschernde Vögel und in der Nacht noch warme Temperaturen. Perfekt für ein großes, erwärmendes Altstadtfest. Wäre da nicht das Kleingedruckte: Ein „Indoor“ Altstadtfest – also in geschlossenen Räumen – wie bekloppt! Doch ein genauerer Blick auf die Entstehung und die Umsetzung dieses Festes lässt viele Kritiker verstummen.

Bereits 1974 wurde das erste Altstadtfest (ASF) von dem damaligen Kulturamt der Stadt Göttingen organisiert. Das Fest fand in freier Wildbahn statt. Über die Jahre hinweg erfreute sich das ASF immer größerer Beliebtheit. Nicht nur engagierte Bands spielten, sondern auch die Wohngemeinschaft von nebenan schnappte sich einen Tapeziertisch und brachte Selbstgemachtes an den Mann oder die Frau. Auch Spiele wurden in unterschiedlichster Art und Weise von der Nachbarschaft angeboten. In Spitzenjahren ließen sich an zwei Veranstaltungstagen laut Polizeiberichten bis zu 160.000 Besucher beim ASF blicken.

Doch wie es meistens so ist, hatten auch diese goldenen Zeiten ein Ende. Die Stadt konnte sich die Durchführung des ASF nicht mehr leisten und scheute das finanzielle Risiko. Das Fest wurde somit 1997 privatisiert. Dadurch entstanden aber Folgeprobleme: Die Vorteile, welche die Stadt als Organisator genoss, standen den privaten Veranstaltern nicht zur Verfügung. Auch die Anzahl der Ständebetreiber ging durch steigende Kosten zurück, und vor allem die Einnahmen durch Sponsoren und Getränkeverkäufe wurden immer geringer. Die Veranstalter konnten sich das ASF nicht mehr leisten. Somit mussten mehrere Organisatoren Insolvenz anmelden. 2004 sollte das ASF zum letzten Mal Göttingens Leben auflockern. Die 2005 stattgegebene Ruhestörungsklage einer Marktanwohnerin, in Bezug auf laute Veranstaltungen, tat ihr übriges. Das ASF-Fass ohne finanziellen Boden sollte nun auch durch Lärmauflagen am Gänselieselplatz behindert und somit fest verschlossen werden. Festlose Zeiten fingen an.

Doch wie es der Zufall so will, wurde Licht in das Dunkel des Fasses gebracht. Ältere Semester oder Menschen, welche schon länger in Göttingen leben, werden sich noch an das Café Kreuzberg erinnern. Genau in diesem Café Kreuzberg kamen Vertreter kultureller Institutionen Göttingens zusammen. Was zunächst bei einem netten Beisammensein an einem eckigen Kneipentisch begonnen hatte, sollte als Gründung des Indoor Altstadtfestes an einem „round table“ enden. Zusammen mit dem Rockbüro e.V und dem Exil Göttingen beschloss das Café Kreuzberg 2007 das ASF in einem begrenzten Rahmen bzw. Raum wiederauferstehen zu lassen. Das I(!)ASF war geboren.

Der eingetragene Verein Kreuzberg on KulTour betreut ein Großteil der Locations. Wenn hier einfach so „betreuen“ geschrieben wird, steckt – wie Klaus Wißmann als Vorsitzender von Kreuzberg on KulTour e. V. zu berichten weiß – viel mehr dahinter: „Die ehrenamtlichen Helfer des Vereins müssen die einzelnen Läden mit einer unglaublichen Menge Equipment versorgen, sodass dort überhaupt Musik gemacht werden kann.“ Wer sich nun fragt, ob Kreuzberg on KulTour e. V. irgendetwas mit dem Café Kreuzberg zu tun hat, dem sei  ein „richtig!“ entgegengeworfen. Das Café Kreuzberg musste schließen. Der Hauseigentümer meldete Insolvenz an.

Die Idee des Veranstaltungscafés sollte aber weiterleben. Genau das tut sie  im Kreuzberg on Kultour e.V. Der Verein ist nicht nur einer der Veranstalter des IASF, sondern in erster Linie Organisator von Livemusik in geeigneten Lokalitäten der gesamten Region. Selbst im Rahmen, des im September kommenden NDR2 Soundcheckfestivals wirkt der Verein an der Soundbase organisatorisch mit. So wird ein Neben- und Aftershowprogramm in Kooperation mit anderen Göttinger Veranstaltern geboten.

Copyright: Roth

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