Die HipHop-Soulful-Funk-Radioshow „Tha Prophecy“ läuft seit dem 27.04.1998 jeden Freitagabend um 20 Uhr im StadtRadio auf Kanal 107,1. Damit dürfte sie die dienstälteste HipHop-Sendung im deutschen Radio sein. In Göttingen ist „Tha Prophecy“ eine regelrechte Institution.

Dahinter stecken die beiden Göttinger Urgesteine Osita Umeh, 35 Jahre alt, und Bartek Berbeka, 28 Jahre alt. Letzterer ist in der Musikszene auch als DJ Slick Tec bekannt. Ihre Show gehört zu den Sendungen, die im ehrenamtlich betriebenen Bürgerfunk Göttingens mit Abstand am längsten laufen. Osita machte erst sein Diplom im Bereich Tourismus und anschließend eine Fortbildung in PR- und Medienarbeit. Bartek absolvierte zuerst eine kaufmännische Ausbildung im mittlerweile geschlossenen Göttinger Kult-Plattenladen Dis Records. Diesen führte er auch eine zeitlang. Zu „Tha Prophecy“ stieß er vor knapp drei Jahren; Osita hingegen ist schon seit der ersten Sendung dabei: „Die Show ist einfach mein Baby“, erzählt er. Dass er die Sendung 1998 gemeinsam mit zwei Freunden ins Leben rief, geschah eher zufällig. Er entdeckte das Göttinger StadtRadio, registrierte das Fehlen einer HipHop-Sendung und so kam eins zum anderen. Zuvor hatte Osita – trotz seiner prägnanten und wie für den Rundfunk gemachten Stimme – nichts mit „Radiomachen“ am Hut; auch gab es kein spezielles Vorbild für „Tha Prophecy“. Learning by doing war angesagt und so wuchs die Show von Sendung zu Sendung.

Bartek war damals noch ausschließlich Hörer von „Tha Prophecy“. Er erinnert sich: „Man wusste einfach, dass freitagabends „Tha Prophecy“ gehört wird, bevor man feiern geht. Das war die Einstimmung fürs Wochenende und ein absoluter Pflichttermin.“ Bis heute verabreden sich HipHop-, Soul- und Funk-Liebhaber in Göttingen zum gemeinsamen Hören von „Tha Prophecy“. Über die Jahre hat sich manches geändert; mitunter waren fünf Leute an der Sendung beteiligt, zwischenzeitlich war Osita als der harte Kern der Show auch alleine und musste gleichzeitig moderieren und auflegen. Wichtig war aber immer, dass „Tha Prophecy“ nicht nur für Nerds und Fachleute, sondern eben auch für die ganz normalen Bürger Göttingens interessant sein sollte. So wurde konsequenterweise auch stets auf allzu speziellen HipHop-Fachjargon verzichtet. Sogar ein Göttinger Universitätsprofessor outete sich als Hörer der Sendung. Selbst, nachdem er Göttingen verlassen hatte, hörte dieser weiter „Tha Prophecy““, erinnert sich Osita. Aber natürlich genoss und genießt die Show auch innerhalb der HipHop-Szene – und das nicht nur regional – einen enorm hohen Stellenwert. Ob Curse, Samy Deluxe, Freundeskreis oder Blumentopf – sie alle und noch viele mehr waren schon zu Gast bei „Tha Prophecy“.

Osita fuhr jahrelang jedes Wochenende von einem HipHop-Jam zum anderen, verteilte selbstgedruckte Flyer und knüpfte Kontakte. Doch auch, wenn der Fokus in den Anfangsjahren auf Rapmusik lag, so spielten Funk und Soul immer eine Rolle. Sowohl Osita als auch Bartek ist es wichtig zu betonen, dass HipHop von Funk und Soul überhaupt nicht zu trennen sind; vielmehr handele es sich um verschiedene Äste des gleichen Baums. Dennoch: Dass „Tha Prophecy“ sich letztlich wirklich als HipHop-Soulful-Funk-Radioshow definieren sollte, in der die Genres gleichberechtigt auftauchen, das war durchaus der Verdienst von Bartek. Dieser hat als DJ Slick Tec immer schon Funk und Soul in Göttingen und Umgebung aufgelegt.

Da auch Osita ein glühender Verehrer dieser Musik ist, war schnell klar, dass das musikalische Spektrum der Sendung sich erweitern sollte, nachdem die Beiden durch eine gemeinsame Freundin zueinander gefunden hatten. Osita hatte die Sendung zu diesem Zeitpunkt mal wieder alleine gestemmt und war froh, in Bartek endlich einen Gleichgesinnten gefunden zu haben: „Eigentlich hat mir vorher immer irgendetwas gefehlt. Ich dachte mir, dass es da draußen doch einen Seelenverwandten geben muss, der meine musikalische Leidenschaft teilt – und den habe ich mit Bartek gefunden. Bartek hat die Sendung extrem beeinflusst: den Aufbau, den Charakter, die Musikauswahl, das Bild – alles.“ Und auch für den langjährigen Tha-Prophecy-Hörer Bartek, der von der Show schon früh stark beeinflusst wurde, ging ein Traum in Erfüllung, als er schließlich mit ins Boot stieg: „Ich bin da wirklich stolz drauf. Die Sendung erweitert nach wie vor meinen musikalischen Horizont. Osita und ich stecken da unser Herzblut rein, haben die gleiche musikalische Vision und ergänzen uns perfekt.“

Somit vertieft sich die Freundschaft der beiden Radiomacher durch ihr gemeinsames Projekt nach wie vor. Und im Prinzip vergeht kein Treffen zwischen Osita und Bartek, bei dem keine neuen Ideen für die Sendung entstehen und sich die Bälle hin und her gespielt werden. Beide sind die ganze Woche über immer wieder in Gedanken bei „Tha Prophecy“: „Das ist ständig präsent. Manchmal muss man sich da schon ein bisschen stoppen, damit andere Sachen nicht auf der Strecke bleiben“, lacht Bartek.

Die Show, die fast immer live gesendet wird, entsteht somit unter Livebedingungen und besteht auch nicht nur aus klassischen DJ-Mixes. Immer wieder gibt es Themensendungen, die beispielsweise bestimmte Bereiche, Produzenten oder Regionen abdecken oder neu erschienene Platten vorstellen. Dabei hören nicht nur Leute aus der Region mit, sondern – dem Internet sei dank – sogar aus den Vereinigten Staaten. Auf der Website des StadtRadios Göttingen kann „Tha Prophecy“ per Livestream gehört werden; außerdem stellen Osita und Bartek einzelne Sendungen unter www.mixcloud.com/funkykid zur Verfügung. Auch auf Facebook ist
die Show selbstverständlich zu finden.

Es gibt heutzutage nicht mehr viele Sendungen dieser Art; genau genommen scheint DJ Mad von den Absoluten Beginnern so ziemlich der Einzige zu sein, der noch mit einer vergleichbaren Radioshow in Deutschland vertreten ist. So lautet dann auch die Standardfrage, die Osita zu hören bekommt, wenn er Bekannte trifft, die er eine Weile nicht gesehen hat: „Gibt es deine Sendung immer noch?“ Freilich erntet er stets ungläubiges Staunen, wenn er die Frage bejaht. Kein Wunder also, dass im Frühling 2013 das 15jährige Jubiläum von „Tha Prophecy“ groß gefeiert werden soll – stilecht mit einem klassischen HipHop-Jam, inklusive Konzert, Freestylesession, DJing, Graffiti, Breakdance und Barbecue. Osita und Bartek stecken momentan mitten in den Vorbereitungen; genauere Informationen werden rechtzeitig bekannt gegeben. Bislang hat es eine vergleichbare Feier nur einmal gegeben – und zwar 1999, zum einjährigen Jubiläum der Sendung. Es ist also wirklich an der Zeit – „Tha Prophecy“ hat es verdient.

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