Arne, Teil des Kulturkollektivs

Arne, Teil des Kulturkollektivs: „Diese Welt hat subversive Kultur nötig:“

Eine Vielzahl von Veranstaltungen finden im Stilbrvch, dem studentischen Veranstaltungskeller, am Platz der Göttinger 7, statt. Bislang traten renommierte und angesagte Künstler auf. Eigentlich ist es immer gut besucht. Doch um die Zukunft des Stilbrvch steht es ungewiss. Letztlich hängt der Fortbestand von der Wahl des AStA ab. Leben 37 unterhielt sich mit Arne, der stellvertretend für das Kollektiv sprach, über den Fortbestand, mögliche Alternativen und darüber, wie das Stilbrvch organisiert ist.

Seit wann gibt es das Stilbrvch?

Arne: Das Stilbrvch gibt es seit 2011. Es kam damals mit der Wahl eines neuen AStA, bestehend aus Gruppen, die sich im mitte-links Spektrum verorten, zustande. Eines der Kernanliegen war damals, die Kulturarbeit umzubauen – der vorhergehende AStA hatte 2008 zwar das Vertigo eingerichtet, dort aber kaum Veranstaltungen organisiert und mit diesen wenig besuchten Abenden reichlich studentisches Geld verbrannt. Als Reaktion auf diesen Zustand im Vertigo kam dann 2011 eben die Idee eines Kollektivs auf, was vor allem eine Öffnung der Kulturarbeit für alle InteressentInnen und viel ehrenamtliche Mitarbeit bedeutete. Der Name „Stilbrvch“ kam dann erst später, und ein gescheites Eingangsschild fehlt immer noch.

Was hat es eigentlich damit auf sich, dass das Wort Stilbrvch mit einem „v“ anstelle eines „u“s geschrieben wird?

Arne: Das soll in doppelter Hinsicht den Bruch im Stil ausdrücken, erst durch den Namen an sich und dann aber auch durch den Bruch, welcher dem Wort zugefügt wird. Mit Stil ist dabei in unserem Verständnis der gesellschaftliche Mainstream, die marktförmige „Kultur“ gemeint. Diesem wollen wir mit unserem Engagement im Stilbrvch etwas entgegensetzen. Gleichzeitig ging es uns auch schlicht darum zu zeigen, dass wir nicht nur bestimmte Stile und Szenen ansprechen wollten, sondern auch gerne gemeinsam mit unseren Gästen und Kollektivistas über den Tellerrand schauen.

Wovon hängt eigentlich der Fortbestand des Stilbrvchs ab?

Arne: Grundsätzlich hängt der Fortbestand des Stilbrvch von der Unterstützung des AStA, der gewählten Studierendenvertretung, ab. Dieser wird jährlich im Januar gewählt und je nach AStA-Koalition besteht das Stilbrvch weiter – oder auch nicht. Diesmal ist die Situation aber etwas anders: Eins der gemeinsamen Kernanliegen des AStA und des Kulturkollektiv war dieses Jahr eine formale Loslösung des Stilbrvch vom AStA, was wir auch im Laufe dieser Legislaturperiode stetig vorangetrieben haben. Leider hat sich dabei gezeigt, dass sich die ADF als größte hochschulpolitische Gruppe mehrheitlich dagegen sträubt, das Stilbrvch, so wie es ist, in eine zukunftsfähige Struktur zu überführen. Dabei haben wir im Rahmen dieser ganzen Diskussion irre viele Zugeständnisse gemacht, um am Ende nicht mal eine Reaktion auf einen offenen Brief zu kriegen, in dem wir der ADF unser Entsetzen geschildert haben, da wir denken, dass sie die Ausgründung mutwillig an die Wand fahren wollten. Das Projekt „Ausgründung“ ist quasi gescheitert und wir sehen uns grundsätzlich in Frage gestellt.

Wie ist eigentlich das Stilbrvch organisiert?

Arne: Wesentlich ist sicher die Organisation als Kollektiv – also mit den gleichen Mitspracherechten für alle Beteiligten und eine gemeinsame Entscheidungsfindung im Konsensprinzip. Konkret treffen wir uns beispielsweise jeden Montag um 19.30 Uhr im Laden und besprechen die anstehende und die vergangene Woche, diskutieren über neue Veranstaltungen und so weiter. Vieles wird auch in Kleingruppen, die sich um die Orga der einzelnen Veranstaltungen kümmern, geregelt. Es gibt Schichtpläne online, und man kann sich so für die Schicht eintragen, auf die man Lust hat – sofern man sich mal im Plenum vorgestellt und Zugang zum internen Bereich hat.

Was zeichnet das Stilbrvch gegenüber anderen Clubs in Göttingen aus?

Arne: Naja, wir sind eigentlich kein Club sondern ein Veranstaltungskeller und dementsprechend funktionieren wir ganz anders als die kommerziellen Clubs. Wir sind in der Lage, ein vielfältiges Kulturprogramm bieten zu können, was weit über den Horizont von Göttingens üblichem Spektrum hinausgeht. Das Spektrum an Veranstaltungen reichte von O-phasen-Partys bis zu szenigen Breakcorepartys, von Punkkonzerten bis zu Salsakursen und von Offenen Bühnen bis zu wilden Techno-Sausen. Das Stilbrvch lebt von den Menschen, die sich dort engagieren, es gibt für jede/n die Möglichkeit, auch selbst Veranstaltungen auf die Beine zu stellen.

Nach welchen Kriterien wählt ihr die Künstler aus, die im Stilbrvch auftreten?

Arne: Eigentlich läuft das so: Ein Mensch erachtet bestimmte KünstlerInnen als irgendwie bereichernd, stellt die Idee oder das Projekt im Plenum vor. Dort wird dieses diskutiert und dann meist „beschlossen“. Mitsprache und Entscheidungsgewalt geht immer von denen aus, die es nachher auch machen. Außerdem bekommen wir laufend Bookinganfragen, die wir bearbeiten. Auch hier hängt es wieder stark an den Menschen, die sich engagieren. Bei uns läuft das, worauf die Kollektivistas Bock haben und dementsprechend auch organisieren wollen. Darüber hinaus gibt es diverse studentische Gruppen, die das Stilbrvch für ihre eigenen Veranstaltungen anmieten. Ein Teil aller Parties, Konzerte etc. wird von Gruppen durchgeführt, für die wir das Stilbrvch „nur“ im bestmöglichen Zustand bereitstellen, aber nur in geringem Umfang auf die Ausgestaltung der Veranstaltung Einfluss nehmen.

Falls es wirklich soweit kommen sollte, dass das Stilbrvch schließen müsste, habt ihr dann andere Pläne? Vielleicht eine Wiedereröffnung in einer anderen Location?

Arne: Klar machen wir weiter. Ob in Göttingen, in einer anderen Stadt oder auf diversen Festivals ist dabei aber noch nicht klar. Die Welt ist groß und die Assoziation der freien Individuen noch nicht erreicht. Diese Welt hat subversive Kultur nötig. Außerdem trinken wir gerne Bier. Schade wäre es dennoch, denken wir. Göttingen – und auch die Uni Göttingen – braucht einen selbstverwalteteten Laden wie das Stilbrvch. Und wir brauchen ihn auch.

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