Viele Göttinger haben bereits von der Musa gehört, doch nur wenige scheinen sie wirklich zu kennen. Sebastian Otto, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit der Musa, berichtet über Konzerte, Vizeweltmeistertitel und Lachyoga.

Interview Pfeil Direkt gefragt: Was ist die Musa?

Otto: Die Musa ist das größte soziokulturelle Zentrum Südniedersachsens. Soziokulturell bedeutet, dass Kultur für wirklich jeden angeboten wird. Neben einem umfangreichen Kurs- und Workshop-Angebot ist Platz für Konzerte, Partys oder anderweitige Events. Unser Salon wurde letztens für eine Hochzeit gemietet und im Keller proben in den 19 Übungsräumen über 50 Bands. Außerdem stellen wir drei große Kursräume zur Verfügung. Wenn jemand z.B. einen Tanzkurs oder Musikunterricht anbieten möchte, kann er sich bei uns melden. Wir schauen dann, ob wir mit den entsprechenden Räumen dienen können. In unserem Saal haben wir auch die Möglichkeit, größere Konzerte auszurichten. Dabei müssen wir allerdings darauf achten, ob der Auftritt einer Band bei uns sinnvoll ist, da der Saal während eines Konzertes nicht leer erscheinen soll. Es wird dann versucht, eine Alternative zu finden. Gemeinsam mit dem allgemeinnützigen Verein Rockbüro e.V. betreiben wir eine Bürogemeinschaft. Dieser Verein unterhält unter anderem den Nörgelbuff. Wenn ein Konzert für den Saal nicht genügend Leute zieht, können wir die Band möglicherweise an das Rockbüro vermitteln. Eine Absage von uns bedeutet also keinesfalls etwas Negatives! Es wäre niemanden geholfen, wenn am nächsten Tag in der Zeitung steht, dass die Band vor einem leeren Musasaal gespielt hat. Das Hauptziel der Musa ist es viele Leute mit verschiedensten kulturellen Hintergründen und Vorlieben zu versammeln. In der Musa soll es bunt zugehen und viel angeboten werden. Es soll einfach Spaß machen dort zu sein.

Interview Pfeil Was hat das Kursprogramm der Musa zu bieten?

Otto: Die Musa hat viele Kurse im Angebot – vom einfachen Tanzkurs, über Musik, Fitness und Entspannung bis hin zu Lachyoga. Es gibt auch weiterführende Konzepte; einige Tanzkurse sind so konzipiert, dass zunächst in den Übungsräumen der entsprechende Tanz gelernt wird. Nach dem Kurs können die Teilnehmer dann im Salon ihr Gelerntes in einer lockeren „Café-Atmosphäre“ ausprobieren. Auch für Kinder werden Kurse angeboten. Der Tanzraum wird zum Beispiel von einer Breakdance-Gruppe genutzt, die aus einem unserer Jugendprojekte entstanden ist. Mittlerweile sind zwei von ihnen Vizeweltmeister.

Interview Pfeil Wie werdet ihr unterstützt?

Otto: Wir engagieren uns durch den Verein KUNST in der Kulturpolitik der Stadt und sind außerdem Mitglied in der Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultur (LAGS). Durch diese Interessenvertretung sind wir in ganz Niedersachsen mit anderen soziokulturellen Einrichtungen vernetzt. In Göttingen arbeiten wir außerdem eng mit anderen Organisationen wie dem Rockbüro, zusammen.

Interview Pfeil Wie finanziert sich die Musa?

Otto: Zu 55 Prozent finanzieren wir uns durch Eigenmittel, also durch Vermietung und unser weiteres Angebot. 10 Prozent kommen vom Land Niedersachsen, dem Landkreis und dem Landschaftsverband Südniedersachsen und anderen. Zu 35 Prozent werden wird durch die Stadt Göttingen gefördert und erhalten, abzüglich der Miete, 137.000 Euro im Jahr.

Interview Pfeil Was ist das eigentlich für ein Gebäude, in dem die Musa untergebracht ist? Hat es etwas mit der Entstehung der Musa zu tun?

Otto: Das Gebäude sollte eigentlich im zweiten Weltkrieg für die Versorgung der Soldaten dienen. Deswegen wird die Musa des Öfteren noch als Brotfabrik bezeichnet. Das Bauwerk wurde aber nie als solche in Betrieb genommen. Die Post mietete das Haus und nutzte es bis 1990 als Lager. Der Verein Musa hingegen besteht seit 1977 und hat sich aus einer Gruppe Musikbegeisterter zusammengefunden. Zunächst gab es keinen festen Platz. Aber als die Post die Lagerstätte aufgab und der Gedanke der Musa größer wurde, hat die Verantwortlichen einige Teile der alten Brotfabrik gemietet. Zunächst nur den Keller, wodurch die Proberäume entstanden sind. Als sich ein wenig Kapital angesammelt hatte, konnten mehrere Etagen gemietet werden und das gesamte Projekt wachsen.

Interview Pfeil Was ist das Besondere an der Musa und warum lohnt es sich, dort vorbeizuschauen?

Otto: Wir versuchen stetig, ein ausgeglichenes Programm für verschiedene Leute zu erstellen und dies auch mit äußerster Sorgfalt. Bei den Konzerten, Kursen und Workshops sollte für jeden etwas dabei sein. Es lohnt sich, das Programm im Auge zu behalten. Außerdem sind unsere Veranstaltungen häufig ein paar Euro günstiger als andere Veranstalter im Tourprogramm derselben Band. Wir versuchen jedem die Teilnahme an unserem Angebot zu ermöglichen. Deswegen beteiligen wir uns unter anderem auch beim Kulturticket der Asta. Im Wintersemester – und bei erneuter Zustimmung bei der nächsten Wahl auch zukünftig – bekommen Studierende der Georg-August Universität bei Konzerten eine 5-Euro-Ermäßigung.

Interview Pfeil Abschließend gefragt: Was war für dich persönlich das größte Ereignis in Bezug auf die Musa?

Otto: Eins der größten Ereignisse für mich fand schon in meiner Ausbildung statt. Ich hatte damals eine Affinität zu A-cappella-Musik. Irgendwann meldete sich „Rockapella“ bei uns, eine der erfolgreichsten amerikanischen A-cappella-Bands. Mir wurden die Aushandlungen mit dieser Band aufgetragen. Der Gig kam tatsächlich zustande. Sogar zwei Jahre hintereinander. Im dritten Jahr gab es allerdings ein Problem. Die Band bereitete sich schon auf den Auftritt vor, als plötzlich die Feuerwehr vor der Tür stand. Uns wurde mitgeteilt, dass der gesamte Stadtteil wegen einer Bombenentschärfung evakuiert werden müsse. Das Konzert konnte nicht stattfinden. So etwas ist höhere Gewalt. Interview Ende

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