In der Tischlerei des Deutschen Theaters riecht es nach Holzstaub. Eine Maschine kreischt. Als sie verstummt, streicht Amelie Hensel über den frisch geschliffenen Holzbogen. „Können wir die Rundung noch etwas größer machen?“, fragt sie die Tischlermeisterin. Ame- lie ist Bühnenbildnerin und arbeitet gerade an der Kulisse für „Geister in Princeton“. Viele Zeitsprünge gibt es in dem Stück über den Mathematiker Kurt Gödel. Diese möchte sie durch eine Drehbühne und einen riesigen Zeittunnel aus Holz sichtbar machen. Wenn Amelie von einem Regisseur für die Konstruktion eines Bühnenbildes angefragt wird, liest sie zunächst einmal den Text des Stückes. „Oft habe ich dann schon Bilder oder ein bestimmtes Material vor Augen“, erklärt die 35-Jährige. Anschließend fertigt sie Zeichnungen und ein Modell von der zukünftigen Kulisse an. Es folgen viele Besprechungen mit allen Abteilungen, die an der Entst hung des Bühnenbildes mitwirken: mit der Produktionsleitung, den einzelnen Werkstätten und der Bühnentechnik. „Kommunikation ist extrem wichtig in diesem Beruf“, meint Amelie. Als Bühnenbildnerin muss sie außerdem viele Entscheidungen über die kleinsten Details treffen: Welche Türklinke passt am besten? Soll der geplante Baum aus hartem Metall oder aus biegsamem Plastik sein? Soll er von weißen Apfelblüten oder von rosa Kirschblüten geziert werden? „Ich bin immer wieder gespannt darauf, wie das Bühnenbild am Ende in groß aussieht“, so Amelie. Um Bühnenbildnerin zu werden, hat sie mehrere Praktika an verschiedenen Theatern gemacht und eine Bewerbungsmappe mit Arbeitsproben bei der Kunsthochschule Hamburg eingereicht. Sie hat fünf Jahre in Hamburg und eines in Amsterdam studiert. „Im Studium muss man viel Kritik einstecken können“, erinnert sie sich. Die anschließende zweijährige As- sistenzzeit war besonders wichtig, denn in dieser konnte sie viele Kontakte zu Regisseuren knüpfen. An ihrem Beruf liebt sie, dass sie herum kommt, immer wieder mit neuen Leuten zusammenarbeitet und neue Materialien und Ideen ausprobieren kann. „Reich wird man damit allerdings nicht und manchmal ist mein Leben ein bisschen unruhig.“ Schließlich arbeitet sie immer nur für sechs bis acht Wochen an einem Projekt und geht dann wieder zurück nach Hamburg. Bei der Premiere am 13. Oktober im Deutschen Theater Göttingen ist sie aber auf jeden Fall mit dabei.

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