Am 12. Juni kamen Retroliebhaber und alle mit Faible für Klamotten, Möbel und Krimskrams auf ihre Kosten. Zwischen Theologicum und Oeconomicum wurde, wie im letzten Jahr auch, der Campus Sale veranstaltet. Initiator des Shopping-Spektakels war die studentische Organisation enactus.

Im Wintersemester 2011 gründete sich an der Uni Göttingen ein kleines Team unter dem Dachverband von enactus. Jedes Semester machen die Studenten seither durch Tafelanschriebe, Flyer, Facebook und diverse Aktionen erneut auf sich aufmerksam. Beim Einsteigerabend Ende April informierte das Göttinger Team von enactus über ehemalige und laufende Projekte und führt in das Konzept der NGO ein. „Es geht darum, „People in Need“ auf unternehmerischer Ebene zu helfen“, erläutert Stefanie Schultheis, ehemalige Teamleiterin. Bei „enactus“ handelt es sich laut Homepage um eine Mixtur aus den drei englischen Wörtern „entrepreneurial“, „act“ und „us“. Die Philosophie dahinter bringt unternehmerisches Denken mit ehrenamtlich engagiertem Handeln nach gemeinsamen Prinzipien zusammen.

Das junge Team kann bereits zwei erfolgreich abgeschlossene Projekte vorweisen. Abgesehen vom Campus Sale, der letztes Jahr an einem einzigen Tag zwischen 800 und 900 Interessierte anzog und dem Verein „Neue Arbeit Brockensammlung e.V.“ einen Umsatz von rund 1300 € bescherte, arbeiteten enactus mit der Müsli-Company zusammen. Bei der my.worX-Company angesiedelt, beschäftigt sie Burn-Out-Patienten mit Option auf Festanstellung. Im Januar griff das enactus-Team dem Biomüslifabrikanten mit dem Slogan „Mix it, Baby!“ und einem eigenen Stand unter die Arme.
„Es ist toll zu sehen, dass man Firmen aktiv unterstützen kann“, kommentiert Stefanie den bemerkenswerten Anklang. „Und unsere Kooperationspartner sind tatsächlich dankbar“, fügt Annika Wormann, Projektmitarbeitern von „Mix it, Baby!“, stolz hinzu. „Wir können unsere Kenntnisse aus dem Studium endlich mal in der Realität anwenden. Das ist einfach eine gute Motivation.“
Kein Wunder, dass schon wieder eine ganze Reihe neuer Projekte am Laufen ist. Das kleine Netzwerk, das innerhalb der kurzen Zeit errichtet werden konnte, trägt bereits Früchte: Der Campus Sale wurde vor rund zwei Wochen erneut organisiert, dieses Mal mit einem Ableger der Brockensammlung, der ebenfalls Langzeitarbeitslose beschäftigt. KIM steht für „Kleidung-Information-Möbel“, aber abgesehen von Second-Hand-Sachen bieten KIM auch ein Kulturprogramm mit Lesungen und Konzerten an und das kommt im Namen überhaupt nicht vor. „Der Laden hat wirklich Potential, es gibt zum Beispiel tolle Klamotten zu kaufen. Aber es fehlt einfach an Struktur“, sagt Caroline Ernst, Projektmitarbeiterin des diesjährigen Campus Sale. Hierbei will das Team von enactus helfen.  Bestens also, dass auch der diesjährige Campus Sale ein Renner war. „Es wurde noch mehr verkauft als letztes Jahr“, freut sich Stefanie über den Erfolg. Auch die Neue Arbeit Brockensammlung ist glücklich über die 1600€, die in gerade einmal vier Stunden eingenommen wurden.

Genau dies entspricht dem Daseinsgrund von enactus, nämlich einem Unternehmen auf die Beine zu helfen, es zu befähigen, sich selbst zu tragen. Dazu gehören professionelles Werben für Veranstaltungen und die vielen Eigenschaften des Geschäfts unter einen Hut zu bringen.
Das zweite große Ziel, das sich enactus auf die Fahnen geschrieben hat und das auch das Göttinger Team ambitioniert verfolgt, lautet: Nachhaltigkeit. Beim Campus Sale ist diese allein durch den Verkauf von Second-Hand-Ware und damit die Garantie der Zweitverwertung bereits erreicht. Brandaktuell und geradezu wissenschaftlich ist das Projekt „Bee Fair“. „Wir wollen auf das Bienensterben aufmerksam machen“, sagt Projektmitarbeiterin Anja Runge beim Einsteigerabend. Mit Berufung auf Albert Einsteins Aphorismus, wenn die Bienen sterben, sterbe auch der Mensch, nimmt enactus Bezug auf ein noch immer unterschätztes ökologisches Problem. Das Team möchte sein unternehmerisches Know-How mit den Ressourcen der Stadtimkerei Göttingen verbinden. Für den Abnehmer des Honigs käme beispielsweise erneut die Müsli-Company in Frage.

Für enactus  engagieren sich vor allem Studentinnen und Studenten der Wirtschaft jeglicher Fachrichtung. Von Unternehmensführung über Marketing bis hin zur Kombination mit Politik oder Geschichte ist in diesem Rahmen alles dabei. Eine betriebswirtschaftliche Grundbildung ist sicherlich von Vorteil, aber „wir suchen händeringend auch nach anderen Fachrichtungen“, versichert Stefanie den Interessenten. Und, um das böse BWL-Klischee zu zerschlagen: Es geht bei enactus nicht darum, großen Profit zu machen und auch nicht um einen hübsch anzusehenden Lebenslauf. Wer bei enactus mitmacht, trägt Verantwortung und muss mit Herz und Seele dabei sein.

Das Göttinger enactus-Team hat derzeit über 25 Mitglieder. Wer Interesse hat an einer Mitarbeit, kann sich auf auf der Homepage und auf Facebook über das Team und enactus allgemein informieren. Direkte Kontaktaufnahme mit Teamleiter Daniel Müller ist per Mail an daniel.mueller4[at]stud.uni-goettingen.de möglich.

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