Das Rocken am Brocken-Festival in drei einfachen Worten: Klein aber fein. Ein Festival, bei dem man nie Gefahr läuft die Übersicht zu verlieren und garantiert sein Zelt wieder findet. Umgeben von kirchturmhohen Bäumen und langen, bewaldeten Berghängen fühlt man sich von der ersten Sekunde an in eine fantasievolle Märchen-Musik-Welt versetzt. Die Musik wäre in Anbetracht dieser Kulisse fast zu einer Nebensache geschrumpft, wäre sie nicht beinahe ausnahmslos berauschend gewesen.

Die Zahlen sprechen zwar eher für ein kleines Spaßevent, dass winzig oder mickrig wirkt. Doch dem kann an dieser Stelle von ganzem Herzen widersprochen werden. Beurteilt man ein solches Event nach seinem Unterhaltungswert und Spaßfaktor, dann muss Rocken am Brocken als eines der besten Festivals in Deutschland betrachtet werden.

Das Rocken am Brocken ist eine in sich sehr stimmige Veranstaltung. Es wirkt von vorne bis hinten durchdacht, gut geplant und auf alle Eventualitäten vorbereitet. Dennoch ertappt sich der Besucher stets bei dem Gefühl, er befinde sich auf einer großen, liebevollen Party, wo er die meisten Besucher kennt. Vielleicht wäre der Begriff „familiär“ an dieser Stelle etwas übertrieben, aber Ehre dem Ehre gebührt. Man fühlt sich wohl, auf eine besonders unkomplizierte und gemütliche Weise, was ganz sicher nicht viele Festivals schaffen.

Ein weiteres absolutes Plus dieser, auf den Brocken gepflanzten Musikgeschichte ist die Lage inmitten der saftigen und vor Leben sprühenden Harzer Naturlandschaft. Die Tatsache, dass das Festivalgelände Teil eines Naturschutzgebietes ist, muss eigentlich nicht extra erklärt werden. Es fühlt sich einfach gesund an, dort zu sein. Dies alles trägt zu dem atmosphärischen und einladenden Gesamteindruck bei, der einen auf den Wiesen bei Elend erwartet. Hunderttausend Menschen oder für die Veranstaltung eigens geteerte Wege würden dazu genauso wenig passen wie 160 Euro Eintritt.

Technisch setzte sich das Rocken am Brocken vor allem aus einer Hauptbühne und einer kleineren Nebenbühne zusammen, die ohne jegliche Abgrenzungen auf der Festivalwiese dicht beieinander standen. Diese räumliche Konstellation wirkte sehr verbindend und lud zu spontanen und freien ‚Switchs‘ zwischen den einzelnen Musikangeboten ein. Dabei war es völlig unerheblich von welchen Bands die beiden Bühnen besetzt waren. Zumeist war zu beobachten, wie sich die bunten und ständig verändernden Wogen der feiernden Menschenmassen abwechselnd von einer Bühne zur anderen treiben ließen. Spaß gemacht haben im Grunde alle Bands. Doch was die Bühnenperformance anging, stachen die Donots wohl ein bisschen heraus. Die Sonne war kaum untergegangen, da erhellten sie mit einem mitreißenden und unheimlich spaßmachenden Programm die Nacht auf ihre ganz eigene Weise. Eine Band, die es schafft ein komplettes Publikum im wahrsten Sinne des Wortes in die Knie zu zwingen ─ nach Aufforderung durch Frontmann Ingo Knollmann musste sich jeder anwesende Zuschauer hinsetzen, was tatsächlich alle taten ─ erlebt man wahrhaftig nicht oft auf Konzerten.

Das Bühnenprogramm wurde von zwei Electrofloors flankiert. Wer im Vorfeld dachte, von Null auf Hundert könne das Rocken am Brocken-Team kein attraktives Angebot für elektronische Tanzmusik auf die Beine stellen, der wurde rasch eines Besseren belehrt. Kleine Einlässe, fast schon gemütlich anmutend, von Holzpalisaden oder dichtem Baum- und Buschwerk vom Festival abgeschirmt, erschienen diese Tanzbereiche wie ganz natürlich aus dem Wald erwachsene Inseln, die ein natürliches Refugium für Musik und Musikbegeisterte schufen. Orte, an denen man die Welt um sich herum vergessen konnte, während man sich ungestört den Eindrücken seiner Sinne hingeben konnte.

Essensbereiche befand sich in Picknick- und Budenbereich, wo es eine beschränkte, dafür aber sehr kreative Auswahl an Speisen zu erstehen gab. Dahinter der Zeltplatz, direkt am Bühnengelände gelegen, wodurch selbst irgendwann schwankende oder kriechende Menschen alle Wege auf dem Festivalgelände leicht meistern konnten.

Die Anzahl der beim Rocken am Brocken feiernden Menschen ist trotz aller Übersichtlichkeit schwer einzuschätzen. Ob es nun die 2 oder 3000 am Tag waren spielt keine wirkliche Rolle. Ein wild durcheinander gemischtes Publikum war auf jeden Fall da. Die richtigen Leute zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Das Wetter war herrlich, grandios, warm, wolkenlos und so fehlte es nie an einer ausgeprägten Festivalstimmung, die mitzuerleben vor allem Spaß und viel Freude gemacht hat.

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