Vom 27. bis zum 30. März 2014 fand das 11. Impro-Festival in Göttingen statt, Gastgeber war wie immer die Comedy Company. Die Göttinger Massen strömen nur so ins Lumière und ins Deutsche Theater. Ich sitze freitags bei beiden Vorstellungen in unserem geliebten Programmkino, dessen Sitze vollständig besetzt sind.

Um 20 Uhr beehren uns drei Schweizer der Truppe „anundpfirsich“: Nadine Martig, Dave Wüthrich und Niggi Hégelé. „Wilhelm Tells Erben“ machen ein bisschen Publikumsgymnastik mit uns und vergewissern sich, wer ein Schweizer Konto hat. Die drei möchten gerne wissen, was denn für Göttingen charakteristisch ist und natürlich schreit jeder: „Gänseliesel“! Überhaupt ist die Mitmachbereitschaft immens und auch in mir regt sich der Wille, meinen Senf Richtung Bühne zu plärren. Unsere Entertainer spielen uns vor, wie das Gänseliesel zum Göttinger Wahrzeichen wurde. Tatsächlich durfte man früher im Königreich Göttingen nur Hennen verkaufen, was unser Gänseliesel beinahe in den Ruin getrieben hätte. Anschaulich zeigt uns Nadine, wie sie ihre Gänse alias Niggi und Dave als Hennen („mit sehr langen Hälsen!“) verkleidet und weil die so gut schmecken, wird sie zu einer Art Monopolistin für den Geflügelhandel. Der König macht sie zur regionalen Heldin und ersetzt ihr zu Ehren den Wasser speienden Delfin, der auf dem Marktplatz-Brunnen thront – durch ein Wasser speiendes Gänseliesel. Aha!

Zwei fantastische Stunden später bespaßt uns ein „Gemischtes Doppel“. Man würde ja meinen, die Schweizer wären müde nach ihrem Geschichtsunterricht. Doch nichts da! Moderator und Gastgeber Lars Wätzold (der eindeutig eine Menge Fans im Zuschauerraum hat) bringt uns dazu, folgenden Titel für ein Musical auszuwählen: „Die hölzernen Busfahrer“. Der unfassbar begabte Pianist und Akkordeonspieler Michael Hinze (eigentlich Mitglied des Leipziger Ensembles Theaterturbine) begleitet den folgenden Ohrenschmaus, in dem sich sämtliche Darsteller als sehr gute Sänger herausstellen!

Eine Dreiviertelstunde später rauscht erneut Applaus durchs Kino und alle sind so froh, dass die Show noch nicht vorbei ist, denn der zweite Teil beginnt sogleich! Lars, Michael und die drei brillanten Schweizer haben nun Feierabend. Es kommen auf die Bühne Franziska Juntke und Larsen Sechert von der Leipziger Theaterturbine sowie die restlichen gefeierten Mitglieder der Comedy Company Katrin Richter und Stefan Graen. Der erste Musiker wird durch den nicht weniger wundervollen Michael Zalejski abgelöst. Durch die Macht der kollektiven Stimme sehen wir eine famose Geschichte mit erstaunlich vielen Menschen namens Stefan und Stefanie, die uns durch Barcelona, Wuppertal und Prag führt und wir lernen verhinderte Puppenspieler, Eisenstecher und eine Tänzerin namens Pequeña kennen.

Nach diesen vier Stunden voll von spontaner Genialität, wirklich guter Musik, einer unermesslichen Menge an Kreativität und vor allem ohrenbetäubendem Lachen in den Kinosesseln bin ich schon etwas im Sitz eingerostet und trotzdem würde ich noch länger sitzen bleiben. Jeder, der das Kino verlässt, trägt ein Lächeln auf den Lippen und auf der Heimfahrt prustet sicher der ein oder andere über den ein oder anderen Witz, der situationskomisch bedingt absolut einmalig gerissen wurde.

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