Es ist schon erstaunlich, wie wenig sich Joanne K. Rowling aus ihrer durch die Harry-Potter-Bücher gewonnenen Popularität macht. Kaum, dass sie überhaupt mal öffentlich in Erscheinung tritt. Dabei wäre es durchaus verständlich gewesen, wenn sie sich ihren eigenen Namen zu Nutze gemacht hätte, um ihren neuen Roman medienwirksam zu veröffentlichen. Stattdessen verzichtete sie auf jegliche Werbung, gab sich sogar ein Pseudonym, damit ihr jüngstes Werk eben nicht allein wegen ihrer Berühmtheit zum Bestseller werden würde. Leider konnte die geschwätzige Frau eines Bekannten von Rowling nicht an sich halten und gab preis, dass hinter Robert Galbraith die Harry-Potter-Autorin steckte. Von unvoreingenommenen, authentischen Meinungen konnte sich Rowling nach dieser Enthüllung natürlich verabschieden. Obwohl das Genre ein gänzlich anderes ist, ist ihr trotzdem nicht erspart geblieben, ständig mit ihrer literarischen Vorgeschichte verglichen zu werden. Den Erstlingsbonus eines Debütautors konnte sie sich abschminken – ob das nun gerechtfertigt ist, oder nicht, sei dahingestellt. In „Der Ruf des Kuckucks“ wagt sich Joanne K. Rowling alias Robert Galbraith an den großen englischen Kriminalroman. Der Privatdetektiv Cormoran Strike, vom Einsatz in Afghanistan traumatisiert, soll den vermeintlichen Selbstmord an einem berühmten Model aufklären und dringt dabei in eine Welt ein, die sehr empfindlich auf ungebetenen Besuch reagiert. Mit Cormoran Strike als Protagonisten schafft Robert Galbraith einen durchaus (glaub)würdigen Ermittler, der dank seiner zerrütteten Psyche viel Tiefgang und einiges an Potenzial für weitere Fälle bereithält. Zumal die Schilderungen des Milieus so wunderbar plastisch wirken, dass man sich wirklich gerne darin verliert – und sich vielmehr dafür interessiert, wie das Opfer ums Leben kam, anstatt ständig nach Parallelen zu suchen.

Buch: Der Ruf des Kuckucks

Autor: Robert Galbraith

Verlag: Blanvalet

Umfang: 640 Seiten

Release: 30. November 2013

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