JJ Weihl und Jonathan Jarzyna sind die Köpfe von Fenster. Mit Gesang, Gitarre, Bass, Keyboard und allerlei anderen Gegenständen von Windspiel bis Gabel machen sie sowohl lebhaften als auch ruhigeren Dream-Pop, der ganz fantastisch klingt. Leben 37 spricht mit den beiden kurz vor ihrem Konzert im Pools über Inspiration, Pläne und wie man eigentlich zum Musiker wird.

Interview Pfeil Leben 37: Wann habt ihr mit eurer Band angefangen?

JJ: 2010 haben wir angefangen zusammen zu spielen, und im Winter 2011 nahmen wir unser Album „Bones“ auf. Zu der Zeit fiel mir ein Fenster auf den Kopf und nach diesem Zwischenfall benannten wir unser Projekt. Das war übrigens, bevor wir jemals vor einem Publikum gespielt haben. Das haben wir dann erst gemacht, als das Album fertig gestellt war. Am Anfang haben wir überall in Berlin gespielt: auf Hausparties, Ausstellungen und so weiter. Zu der Zeit wurde auch alles konkret. Wir bekamen ein Label und eine Booking Agentur, und dann ging es richtig los mit dem Touren.

Interview Pfeil Leben 37: Seither habt ihr nicht nur in Deutschland, sondern auch in Großbritannien, den USA, Österreich, der Schweiz und Frankreich gespielt. Seid ihr trotzdem noch nervös? Wird’s nicht langsam auch mal Routine?

Jonathan: Ja, wir sind noch nervös vor einem Auftritt. Wir versuchen alles, damit es eben keine Routine wird. Das wäre ja langweilig. Schließlich spielen wir dieses Album jetzt auch schon seit eineinhalb Jahren. Da versuchen wir, die Spannung zu halten.

Interview Pfeil Leben 37: Was ja nicht allzu schwer sein dürfte, da ihr ständig eure Mitspieler auf der Bühne wechselt.

JJ: Ja, unser Drummer Rémi hat uns als erstes auf der Bühne begleitet. (Rémi war auch im Pools dabei, Anm. d. Red.) Dann ist Tadklimp, unser Produzent, dazugekommen. Aber da er viel mit dem Mischen und Aufnehmen von anderen Platten zu tun hat, kann er nicht immer dabei sein. Heute unterstützt uns zum Beispiel einmalig eine Freundin, manchmal auch noch ein Freund von Rémi.

Interview Pfeil Leben 37: Einige Künstler schreiben über Liebe, andere über Politik  aber eure Lieder sind sowohl thematisch als auch klanglich völlig unterschiedlich. „Oh Canyon“ etwa ist ziemlich witzig und strotzt vor Schadenfreude. „Fantasy II“ ist wunderschön und so nostalgisch – was inspiriert euch?

Jonathan: Das kommt eigentlich ziemlich instinktiv aus uns raus. Ich denke, wir könnten nicht einfach nur über ein großes Thema schreiben, dazu ist die Musik, die wir hören, einfach zu divers. Es würde uns auch langweilen, wenn jedes Lied ähnlich klingen würde. Für manche Bands mag das funktionieren, aber nicht für uns. Bei unseren Liedern kann man schon hören, dass es sich um dieselbe Band handelt, aber eben eine, die in jedem Track unterschiedliche Sachen ausprobiert.

JJ: Was uns definitiv auch noch inspiriert, ist der Ort, an dem wir gerade aufnehmen und die Eindrücke, die uns da umgeben. Wir mögen diesen reinen Studio-Sound nicht, wir nehmen den Ort lieber mit auf.

 Copyright: Sven Gernand

Interview Pfeil Leben 37: Wie entsteht bei euch ein Lied?

JJ: Manchmal spielen wir für uns selbst ein bisschen mit einer kleinen Idee und zeigen es dann dem anderen. Manchmal spielen wir aber auch zusammen und irgendwas Gutes kommt dabei zustande.

Jonathan: Ich glaube nicht, dass es einen einzigen Weg gibt, um zu einem Lied zu gelangen. Manchmal ist es eine Melodie oder ein Akkord auf der Gitarre, manchmal haben wir einen bestimmten Beat.

JJ: Ja, wir haben was im Kopf, aber es muss nicht genauso auch auf der Platte landen. Es ist immer gut, etwas vor Augen zu haben. Aber mit Spontanität kann man dann auch merken, dass es cool klingen kann, das Geräusch einer zuschlagenden Badezimmertür aufzunehmen.

Interview Pfeil Leben 37: Wie kamt ihr überhaupt zur Musik? Wusstet ihr immer, dass ihr das machen wollt?

Jonathan: Ich hab‘ einfach nie was anderes gefunden, was mir mehr Spaß als Musik macht.

JJ: Ich hab‘ immer nur allein in meinem Zimmer vor mich hin gespielt, nie vor oder mit anderen Leuten. Jonathan war einer der ersten, mit denen ich gemeinsam spielen konnte, und das auch noch laut. Meine erste Erfahrung im Zusammenhang mit Aufnahmen war tatsächlich die Arbeit im Studio für „Bones“. Ich hab‘ diese Entwicklung keinesfalls kommen sehen, ich kam also eher zufällig zur Musik.

Interview Pfeil Leben 37: Warum heißt das Album „Bones“?

Jonathan: Das war auch nicht geplant. Irgendwie kam dieser Begriff „Knochen“ auf. Wir wussten nicht mal warum. Dann fiel uns ein, dass das Album ziemlich minimal ist, ziemlich vereinfacht, wie bloße Knochen. Man könnte keine weiteren Schichten hinzufügen. Wir haben das Album aufgenommen und am Ende ziemlich viel weggenommen, es auf das Grundlegende reduziert, wenn man so will. Nicht nur was den Sound betrifft, auch in metaphorischer Hinsicht. Aber es soll nicht nur düster oder gruselig sein. Wir wollten das Witzige mit dem Morbiden verknüpfen.

JJ: Ja genau, verspielt, aber auf eine dunkle Art.

Interview Pfeil Leben 37: Als ich zum ersten Mal in das Album rein gehört habe, hab‘ ich das nicht so interpretiert. Ist es euch wichtig, dass die Zuhörer eure Musik so verstehen, wie ihr sie während des Schreibens, der Proben und des Aufnehmens versteht?

Jonathan: Ich finde, das Großartige an Musik ist, dass man eben keine klare Bedeutung an den Zuhörer vermitteln muss. Natürlich kann man das machen, aber wir wissen doch, warum wir bestimmte Dinge machen und wie es für uns klingen muss. Natürlich wird jeder anders darüber denken, seine eigenen Assoziationen und Erfahrungen unterscheiden sich ja von unseren. Wir würden ungern vorgeben, was andere anhand unserer Musik fühlen oder denken sollen.

Interview Pfeil Leben 37: Habt ihr schon immer die Art von Musik machen wollen, die ihr jetzt macht oder klingt ihr nur zufällig nach „Dream-Pop“?

Jonathan: Ich glaube, wir wussten nicht, was wir tun (lacht).

JJ: Wir haben das mit der Zeit rausgefunden und arbeiten auch immer noch dran. Aber wir wurden schon auch von unserem Produzenten an die Hand genommen. Wir sind gute Freunde und er hält uns für gute Musiker. Er hat uns definitiv geholfen, unseren Sound zu formen.

Jonathan: Das war ziemlich vertraut.

JJ: Ja, der ganze Prozess des Aufnehmens hat uns geholfen, herauszufinden, was wir mögen und was nicht. Zum Beispiel kam einer der ersten Songs, den wir für das Album geschrieben hatten, gar nicht erst drauf.

Jonathan: Es war ein Lernprozess.

Copyright: Sven Gernand

Interview Pfeil Leben 37: Und jetzt, da ihr viel gelernt habt, glaubt ihr, euer nächstes Album wird wesentliche Unterschiede zu „Bones“ aufweisen oder dass ihr einem Idol nacheifern werdet?

JJ: Wir wollen immer wir selbst sein. Im Leben hat man so viele Einflüsse durch Freunde, Kultur, Musik, Filme … man verarbeitet das. Und dann nimmt man die Teile und bastelt eine Collage draus. Aber man macht es selbst. Ich würde niemandem nacheifern oder gar eine Coverband gründen wollen.

Interview Pfeil Leben 37: Was habt ihr denn so für Pläne für die nahe Zukunft?

Jonathan: Nächstes Jahr werden wir möglicherweise ein neues Album veröffentlichen. Manche Bands sind schnell mit neuen Liedern, wir sind wirklich langsam.

JJ: Ja, weil unsere Lieder aus so vielen verschiedenen Teilen bestehen. Manche folgen dem bekannten Muster, manche nicht. So viele Details … es wir eine Weile dauern (lacht).

 

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