Torpus & The Art Directors, das sind Sönke Torpus, Ove Thomsen, Melf Petersen, Felix Roll und Jenny Apelmo. Die Wahlhamburger machen fidelen und soliden Folk mit allerlei passenden Instrumenten und absoluter Authentizität. Leben 37 spricht mit Sänger Sönke Torpus über musikalische Hingabe nach dem Abitur, Schlafmangel und Musik als einzig wahren Lebensinhalt.

Interview Pfeil Leben37: Ich hab‘ gelesen, dass ihr ziemlich gerne schlaft und nicht die ganze Zeit nur am Rock’n’Rollen seid. Ihr seid unglaublich viel unterwegs. Kommt der Schlaf nicht zu kurz?

Torpus: Wir sind während der Aufnahmen des Albums tatsächlich immer spät aufgeschlagen, weil wir bis drei oder vier Uhr nachts gearbeitet haben. Vor allem die zwölf Konzerte in drei Tagen (in Köln, Berlin und Hamburg, Anm. d. Red.) waren anstrengend. Auf Tour kommen wir auch selten früh ins Bett, weil wir meistens noch in der Kneipe landen. Und wenn man dann noch ein paar Kilometer zu fahren hat, kann das schon mal zu Schlafmangel führen. Aber solang das mit Musik zu tun hat, macht man das gerne. Ein bevorstehender Tag im Büro würde mich nicht motivieren, aber wenn ich weiß, ich steh‘ heute Abend wieder auf der Bühne, ist der Schlafmangel ziemlich egal.

Interview Pfeil Leben37: Ihr seid direkt nach dem Abitur nach Hamburg gezogen, um Musik zu machen. Ziemlich engagiert! Hattet ihr nie einen Plan B, falls es mit der Musik nicht klappt?

Torpus: Ehrlich gesagt nicht. Es war selbstverständlich, schon während des Abiturs, dass es für uns nichts anderes als Musik gibt. Melf zum Beispiel musste ein Jahr länger zur Schule gehen und ist trotzdem mit uns nach Hamburg gezogen. Er hat extra die Schule gewechselt. Ich hab‘ zwar mal angefangen zu studieren, weil man das so macht, oder um Mutti zu beruhigen. Aber das war einfach nichts. Musik machen war, ist und bleibt das Wichtigste. Ich kann auch gar nichts anderes (lacht.)

Interview Pfeil Leben37: Beneidenswert, genau zu wissen was man will und das dann auch noch durchzuziehen.

Torpus: Ja, ich empfinde das als großes Glück!

Interview Pfeil Leben37: Ich schätze, meine Eltern hätten mir den Vogel gezeigt, wenn ich nach dem Abi nach Hamburg gezogen wäre, um Musik zu machen.

Torpus (lacht): Naja, erst haben wir ja noch neun Monate lang Zivi gemacht. Aber trotzdem sind wir natürlich nach Hamburg gegangen, um Musik zu machen. Ich hab‘ tolle, verständnisvolle Eltern. Mein Vater hat früher selbst Musik gemacht, hatte aber nie so eine Truppe wie ich um sich, die gemeinsam für eine Sache brennt. Insofern ist das irgendwie auch sein Traum, den ich da lebe. Deshalb konnte er mich auch von Anfang an verstehen, hat mir gute Tipps gegeben und mich ermutigt. Meine Mutter hat sich schon gewünscht, dass ich erst was „Ordentliches“ mache. Aber als sie das äußerte, war die Musik schon viel zu tief in mir drin. Außerdem klappt’s ja (lacht) und das macht sie auch glücklich.

Interview Pfeil Leben37: Genau, es läuft ja einwandfrei. Aber hattest du nicht auch schon Rückschläge? Hat euch schon mal jemand prophezeit, dass das nichts wird mit der Musik?

Torpus: Natürlich hat man Rückschläge. Aber ich kann mich nicht erinnern, dass uns jemand, auf dessen Meinung wir Wert legen, empfohlen hat, aufzuhören. Wenn jemand uns nach einem Konzert sagt, dass er uns nicht gut fand, ist das sein gutes Recht, mir aber herzlich egal. Natürlich kommen schon auch mal Zweifel auf, weil man einfach null Sicherheit hat. Das gehört aber dazu. Ich hab‘ keine Ahnung, was in einem Jahr ist. Aber das ist der Reiz, das ist das, was uns gefällt! Vielleicht ein seltsames Gefühl manchmal, aber das sind so kleine Nebenerscheinungen, die man sehr gerne in Kauf nimmt.

Interview Pfeil Leben37: Kommt mit der Musik auch das wilde Leben oder sind das zweierlei Dinge?

Torpus: Ich denke nicht. Ich würde schon sagen, dass wir ein aufregendes Leben führen. Es ist klar, dass sich alles um Musik dreht, das ist das Wichtigste. Wir wirken nach außen genauso, wie wir sind. Wir haben uns kein Konzept oder Image überlegt, das ist überhaupt nicht unser Ding. Wir machen Musik, die komplett ehrlich ist, das hat nichts mit Show zu tun oder dass wir was bei Leuten erreichen wollen. Das ist auf uns selbst gemünzt, und wir schreiben Lieder, die uns betreffen. Und dass man da in Kneipen rumhängt und ewig wach ist, ist halt Berufsrisiko. Mich macht das auch kreativ und inspiriert mich wesentlich mehr als ein Vormittag im Park. Vormittage bekomme ich eh nicht so mit (lacht.)

Interview Pfeil Leben37: Was inspiriert dich denn noch so?

Torpus: Es sind Menschen, die mich inspirieren, meistens eine bestimmte Eigenart, die mich bewegt oder beschäftigt. Ob ich sie nun mag oder nicht. Meistens eher dann, wenn ich sie nicht mag oder wenn ich eine Art nicht nachvollziehen kann.

Interview Pfeil Leben37: Und wie entsteht dann ein Lied?

Torpus: Bei Torpus & The Art Directors stammt das meiste von mir. Meistens zeige ich meine Idee der Band im Proberaum, und wir probieren ein bisschen was aus. Es kann aber auch passieren, dass wir etwas zusammen spielen und so ein Stück entsteht.

Interview Pfeil Leben37: Hast du beim Schreiben eine Strategie? Kommt zuerst die Melodie oder der Text?

Torpus: Unterschiedlich, kann ich nicht sagen. Das passiert einfach. Auf einmal ist da eine Zeile und dann die Melodie dazu. Manchmal auch umgekehrt. Die Zeile kann auch wieder wegfallen, beim Schreibprozess ist nichts endgültig. Die Komponenten der Grundidee passieren zusammen, und an dem Text kann ich auch noch wochenlang feilen. Ich hab‘ dann so zwei, drei Versionen in der Tasche, wenn das Lied im Grunde schon steht.

Interview Pfeil Leben37: Eure Musik ist grundsätzlich englischsprachig. Weil du dich so besser ausdrücken kannst?

Torpus: Ich hab‘ schon immer auf Englisch geschrieben. Zum einen liegt das wohl daran, dass ich fast nur englischsprachige Musik höre, was mich natürlich geprägt hat. Zum anderen ist unsere Art von Musik einfach englisch. Wir haben es mal mit einem deutschen Text versucht, aber das klingt einfach nach totalem Quatsch. Oft lautet der Vorwurf, dass man sich hinter englischen Texten versteckt. Aber die Leute lesen sich meine Texte ja auch durch, und heutzutage versteht sowieso jeder Englisch. Wenn ich auf deutsch schreibe, ist das aalglatte Popmusik (lacht).

Interview Pfeil Leben37: Covert ihr auch?

Torpus: Ganz selten. Auf der letzten Tour haben wir „Oh my sweet Carolina“ von Ryan Adams gespielt. Das Lied begleitet uns aber auch schon seit Jahren. Generell ist es schwierig zu covern. Ich hab‘ den Anspruch, ein Stück selbst zu interpretieren, damit es die eigene Handschrift trägt. Es ist sinnlos, etwas einfach nur nachzuspielen.

Interview Pfeil Leben37: Was sind denn so die nächsten Ziele und werden die immer größer? Wollt ihr zum Beispiel mal im Ausland spielen?

Torpus: Wir werden solche Pläne demnächst mal angehen. Skandinavien, England oder Kanada würde uns schon ganz gut gefallen. Schauen wir mal. Ansonsten planen wir eigentlich nicht viel. Wir gehen in den Proberaum und spielen einfach, haben ein tolles Label und viele Auftritte. Ich will mich nicht festlegen, aber vielleicht kommt ja nächstes Jahr ein neues Album. Konkret geplant ist alles erst mal bis zur Deutschlandtour im Oktober 2013. Wir leben ja auch zusammen unter einem Dach, also irgendwas wird passieren.

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