Annett Louisan ist zurück mit ihrem sechsten Album! Fast drei Jahre nach „In meiner Mitte“ folgt  „Zu viel Information“. Verschmitzt und originell singt die Wahl-Hamburgerin mit ihrer Feen-Stimme von alter und ewiger Liebe, schmiedet pfiffig Rache und lästert über Dinge, die man nun wirklich nicht wissen muss.

„Zu viel Information“ ist frech, zuweilen frivol („Meine Katze hat miaut“, „Ich hab‘ dein Ding gepostet, es kam kein Kommentar“, „Man braucht beide Welten, die heile und die geile“, etc.). Überlegst du manchmal, ob man das wirklich „so“ singen kann, bevor du ein Lied endgültig aufnimmst?
Annett Louisan: Natürlich. Bei gewissen Zeilen zweifelt man lange. Die beste Methode herauszufinden, ob Lieder oder Texte Bestand haben, kostet Zeit. Wenn ein Satz einen nach zwei bis drei Wochen noch immer bewegt und trifft, entsteht langsam ein Vertrauensverhältnis zur eigenen Kunst. Es ist irgendwie ähnlich wie mit zwischenmenschlichen Beziehungen. Ich komme manchmal nachts um drei Uhr aus dem Studio, total euphorisiert von einem Lied, das gerade aufgenommen wurde und bin fest davon überzeugt, dass es ein Hit ist. Morgens hört man es dann mit frischen Ohren und denkt mmmh.

Deine Texte klingen so intim – sollen sie das sein? Wie viel gibst du von dir auf diesem Album preis?
Annett Louisan: Wenn sie intim klingen, habe ich alles richtig gemacht. Ich habe mit „Annett Louisan“ eine Möglichkeit gefunden, alles sein zu können, was ich bin und auch was ich nicht bin, aber mehr noch das, was ich gerne sein möchte.

Manche der Lieder transportieren eine enorme Traurigkeit, andere wieder klingen vergnügt. Welche Art performst du lieber auf der Bühne?
Annett Louisan: Ich brauche beides unbedingt. Die traurigen Lieder wären schnell zu tragisch ohne meine Kaspereien und würde ich nur an der Oberfläche herumalbern, würde ich mir irgendwann selbst auf die Nerven gehen. Es ist mein Rezept gegen Eintönigkeit im Leben.

„Sammeln Sie Treuepunkte?‘ fragt mich die Kassiererin…“, singst du in „Herrenabend“. Kommen dir Ideen für deine Musik in Alltagssituationen?
Annett Louisan: Das Leben, welches mich umgibt, ist die größte Inspiration für mich und die Zusammenarbeit mit Komponisten und Textdichtern erweitern meinen Horizont.

Deine Cover-Version von „Papillon“, Hildegard Knefs trauriges Liebeslied, beendet dein neues Album. Warum dieses Lied?
Annett Louisan: Es ist nicht das letzte Stück auf dem Album. Für die Dramaturgie meiner Platten verwende ich viel Zeit. Es ist wichtig den richtigen Fahrplan für die Lieder zu finden, damit sie noch mehr wirken können. Mein neues Album „Zu viel Information“ endet mit den Worten „Ich liebe dich“.

Bedeuten dir bestimmte Lieder auf deinem neuen Album besonders viel?
Annett Louisan: „Stars“ ist ein Lied, das ich eigentlich für mich gemacht habe. Es ist ein Blick aus meiner persönlichen Perspektive. Ich denke, es trifft nicht viele Leute in ihren Alltagssituationen. Aber nach zehn Jahren im Showgeschäft war es mir ein Bedürfnis dieses Thema einmal zu besingen. Die Bühne fasziniert sehr viele Menschen. Sie hat Glanz und Schönheit, aber auch Tücken und Schattenseiten.

Liest du Rezensionen deiner Alben?
Annett Louisan: Ja, aber ich versuche, diese nicht zu nah an mich heranzulassen, die guten genauso wenig wie die schlechten.

Welche Musik hörst du in deiner Freizeit?
Annett Louisan: Eine Mischung aus alten Platten und ein paar neuen Errungenschaften. Ich schaffe allerdings nicht mehr als zehn neue Platten pro Jahr. Ich befasse mich gern länger mit Alben, um sie richtig kennenzulernen. Diese ständige Beschallung überfordert mich.

Stand für dich immer fest, dass du auf Deutsch singen willst?
Annett Louisan: Nein, aber recht schnell habe ich gemerkt, dass ich in meiner Muttersprache viel individueller sein kann als in einer anderen Sprache.

Du hast eigentlich Malerei studiert – und mit dem Singen was dazu verdient. Würdest du deinen Erfolg als Sängerin eher als glücklichen Zufall bezeichnen und nicht als geplante Karriere?
Annett Louisan: Es ist eigentlich eher umgekehrt. Ich wollte immer Sängerin werden und jeder Weg, den ich gegangen bin, führte mich zu diesem Wunsch.

Musik, Arbeit für TV und Kino – klingt schwer beschäftigt. Was tust du, wenn du das Gefühl hast, dass dir alles zu viel wird? Wie lenkst du dich ab?
Annett Louisan: Ich muss mich manchmal von mir selbst ablenken, meine Gedanken ausschalten. Wenn ich beschäftigt bin und arbeite, geht es mir eigentlich immer gut. Problematisch sind eher die Ruhephasen. In denen neige ich dazu, grüblerisch und lethargisch zu verharren. Ich muss mich dann zwingen, spazieren zu gehen, aufzuräumen usw., damit mein Kopf zur Ruhe kommt.

Malerei und Musik, das sind sehr kreative Berufe und auch sehr zeitaufwendige. Gibt es Zeiten, in denen du das eine dem anderen vorziehst oder bekommst du alles unter einen Hut?
Annett Louisan: Ich male nicht mehr viel, bin wohl zu ungeduldig geworden. Mein Leben hat mich in den letzten zehn Jahren doch ziemlich verändert. Schauspielerei fasziniert mich. Meine Lieder sind wie Geschichten und sie auf der Bühne vorzutragen empfinde ich manchmal als Schauspiel. Ich liebe es in Rollen zu schlüpfen. Es ist etwas, dass neben der Musik eine große Anziehungskraft auf mich ausübt.

Dein Konzert im April in Kampnagel ist schon ausverkauft, dein Name ist zu einer Marke geworden – fürchtest du dich davor, so ein „Star“ zu sein oder zu werden, wie in dem ersten Track deines Albums?
Annett Louisan: Ich passe gut auf mich auf, versprochen! Die ersten zehn Jahre sind gut gegangen.

 

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