Heinz Strunk ist nicht nur Mitglied des Hamburger Trios „Studio Braun“; den meisten dürfte er vor allem durch seinen Debütroman „Fleisch ist mein Gemüse“ bekannt sein. Vor kurzem erschien mit „Junge rettet Freund aus Teich“ der mittlerweile fünfte Roman bei Rowohlt. LEBEN 37 besuchte Heinz Strunk bei seiner Lesung in Kassel und unterhielt sich mit ihm über Kindheit, Jugendjahre und literarische Rohmasse.

Pfeil Der Held des Romans „Junge rettet Freund aus Teich“ trägt Ihren bürgerlichen Namen „Mathias Halfpape“. Handelt es sich hierbei um einen komplett autobiographischen Roman oder sind manche Dinge fiktiv?

Strunk: Es handelt sich um Gegebenheiten, an die ich mich fragmentarisch erinnern kann – Stichwort „Steppenbrand“. Allerdings verfüge ich nicht über ein Gedächtnis, das es mir erlaubt, die einzelnen Geschichten zu rekonstruieren. Kein Mensch erinnert sich daran, was er mit sechs oder zehn erlebt hat, die Geschichten habe ich mir natürlich selbst ausgedacht – so oder so ähnlich kann es sich zugetragen haben.

Pfeil Wie wichtig sind Ihres Erachtens „Jugendjahre“, sind sie wichtiger als andere Phasen im Leben?

Strunk: Würde ich generell mit „ja“ beantworten, wobei es durchaus unterschiedlich sein kann. Es gibt ja auch Leute, bei denen die prägenden Jahre später stattfinden. Das ist ein bisschen wie die Frage nach dem Huhn oder Ei – was ist das Entscheidende? Ist es die genetische Disposition, oder die Erziehung und Umwelteinflüsse? In den 60er und 70er Jahren war man der Meinung, alles wäre komplett ein Ergebnis der Erziehung und der Einflüsse der Gesellschaft – davon ist man allerdings mittlerweile abgekommen, ich auch.

Pfeil In einigen Rezensionen war zu lesen, dass Strunk bittere Themen mit „Witz“ beschreibt. Empfinden Sie ihre Erinnerungen an die Kindheit ebenso „witzig“, wie dargestellt, oder handelt es sich eher um eine bittere Zeit, die Sie am liebsten aus ihrem Gedächtnis streichen würden?

Strunk: Streichen geht ja gar nicht, selbst wenn man es wollte, könnte man es nicht. Zum anderen zeichnet es ja meinen Stil aus, dass ich über traurige Grundgegebenheiten „lustig“ berichte, das ist ja quasi das Originelle. Es handelt sich ja um relativ universelle Sachen, die im Buch beschrieben werden: Den fiesen Mathelehrer gibt es heute auch noch oder wie man mit dem Rauchen anfängt – Geschichten, die nicht spezifisch auf bestimmte Jahre abzielen.

Pfeil Wie sieht der Arbeitsprozess aus, wenn Sie an einem Roman arbeiten?

Strunk: Ich schreibe am Tag netto vier Stunden, das ist die Vorgabe, gelegentlich auch mal mehr. Das bedeutet, dass es brutto acht bis zehn Stunden sind, da ich lange Pausen machen muss und nicht die ganze Zeit durchschreiben kann.

Pfeil Ein Kontingent an Seiten gibt es jedoch nicht?

Strunk: Nee, ich schreibe jedoch viel, eher zehn Seiten als zwei. Anfangs handelt es sich jedoch um eine Rohmasse – stilistisch hat es dann noch keinen Anspruch. Die eigentliche literarische Aufgabe ist ja das Stilistische, der Feinschliff, außer man schreibt „Harry Potter“-Romane oder Vampirgeschichten, dann spielt das alles keine Rolle, aber das ist ja auch keine Literatur.

Pfeil Vor kurzem waren Sie als Schauspieler in der Mockumentary „Fraktus“ zu sehen. Außerdem sind Sie immer noch mit der Band „Fraktus“ auf Tour. Können wir mit einer weiteren „Fraktus“-Veröffentlichung rechnen?

Strunk: Ja, das wird es geben, schätze mal, nächstes Jahr. So lange die Leute noch interessiert sind, wird es Fraktus geben. Vielleicht wird es auch einen zweiten Film oder eine Fernsehserie geben, irgendwie so etwas. Die Idee „Fraktus“ ist jedenfalls zu gut, als das man sie mit einem einzigen Film fertig erzählt hätte.

Pfeil Was steht bei Ihnen als nächstes an, irgendwas geplant?

Strunk: Nächstes Jahr will ich zwei Filme machen, der eine handelt komplett von „Heinz Strunk“, ich spiele die Hauptrolle und habe das Drehbuch geschrieben; es wird eine kleine Kinoproduktion werden. Das andere ist auch ein Kinofilm, den mache ich mit zwei österreichischen Kollegen. Seit Mai schreibe ich ja auch eine Kolumne für die Titanic, das „Strunk-Prinzip“. Und nächstes Jahr machen wir am Thalia-Theater eine Inszenierung. Außerdem habe ich noch ein Pop-Projekt am Laufen, meine alten Songs wurden mit einer Sängerin neu aufgenommen – im Laufe des nächsten Jahres wird eine Single erscheinen, etwas ganz anderes, das mit dem, was ich sonst so mache, null zu tun hat.

Pfeil Was fällt Ihnen zu Göttingen ein, waren Sie da schon mal unterwegs?

Strunk: Ja, ich hatte mal eine Freundin in Göttingen, da war ich ein paar mal da – ich hab grundsätzlich ganz gute Erfahrungen gemacht, die Leute waren mir gewogen. Und im Jungen Theater war es immer voll. Stern

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