Hinter Phrasenmäher stehen die Brüder Jannis und Lenne Kaffka und der Schlagzeuger Martin Renner. Die drei Herren haben allesamt Kulturwissenschaften studiert. Die Band besteht bereits seit mehr als zehn Jahren. Angefangen habe sie als Zivi-Schüler-Band. Im Jahre 2010 wurde dann Andreas Läsker – unter anderem Manager der Fantastischen Vier – auf sie aufmerksam und nahm sie unter Vertrag. Ihr neustes Album wurde auf einem Major-Label veröffentlicht. Damit sind sie derzeit auf Tour. Sie machen Popmusik, daraus machen sie keinen Hehl.

Pfeil Euer Bandname setzt sich ja zusammen aus „Phrase“ und „Rasenmäher“ – steht der Name dafür, dass in euren Texten keine Phrasen verwendet werden?

Lenne: Nee, der steht eher dafür, dass wir aus Phrasen Songs machen. Also, wir mähen quasi die Phrasen aus dem Alltag ab und basteln darum herum Geschichten. Es gibt viele Lieder, wo wir eine Phrase oder ein Wort aufgeschnappt haben und daraus eine Geschichte geschrieben haben. Deswegen fanden wir damals, als wir uns gegründet haben, den Namen geeignet.

Pfeil Ihr habt euch in Hamburg gegründet, wohntet zwischenzeitlich in Hildesheim – wie kam es dazu?

Lenne: Mein Bruder und sein bester Kumpel haben damals Zivildienst gemacht und ich war noch Schüler – wir haben uns also als Zivi-Schüler-Band in Hamburg gegründet. Und dann ist Jannis zum Studieren nach Hildesheim gezogen, dort hat er Sören kennen gelernt – der Chef von unserem ersten Label –, die Zusammenarbeit mit ihm hat sich intensiviert und es wurde größer. Da unser damaliger Schlagzeuger ausgestiegen war und Martin eingestiegen ist, den Jannis innerhalb des Studiums kennen gelernt hatte, waren schon drei von vier Leuten in Hildesheim, deshalb bin ich auch nach Hildesheim gezogen. Von dort aus habe ich mein Studium fertig gemacht. Als ich fertig war, habe ich gesagt, dass ich wieder woanders hin möchte – wir haben uns als Band auf Hamburg geeinigt.

Martin: Mittlerweile wohnen wir drei Musiker wieder in Hamburg.

Lenne: Seit letztem Sommer. Die Start- und Daddelphase war in Hamburg, in Hildesheim wurde das ganze zu einem ernsten Projekt entwickelt und jetzt haben wir unseren Lebensmittelpunkt wieder nach Hamburg verlagert.

Pfeil Und wie lebte es sich in Hildesheim?

Martin: Es gibt da den Kulturwissenschaftsstudiengang und dadurch gibt es viele Menschen, die etwas in verschiedenen Kulturbereichen machen: Es gibt Leute, die machen etwas mit Film oder mit Musik, andere Leute machen wiederum etwas mit Theater und Kostüm – dadurch hat man gute Möglichkeiten. Wenn wir beispielsweise gesagt haben, dass wir ein Musikvideo drehen wollen, haben wir immer irgendwelche Ansprechpartner gehabt.

Lenne: In Hildesheim gab es keine Musikszene, der wir angehörten. Wir haben dort jedoch Leute angetroffen, die auf dem Weg waren Regisseur, Fotograf usw. zu werden – es war ganz gut dafür sich ein Netzwerk aus Kulturschaffenden aufzubauen.

Pfeil Habt ihr selbst auch Kulturwissenschaften studiert?

Martin: Ja genau, wir alle drei.

Lenne: Also Jannis und Martin in Hildesheim und ich in Lüneburg.

Pfeil Mit dem Song „Zwei Jahre in“ habt ihr ein Weltrekord aufgestellt, es ist derzeit das längste Lied der Welt – habt ihr denn selbst Lieder die ihr so lange in Endlosschleife hören würdet?

Lenne: Naja, also ich würde ein Lied nicht immer wieder von vorne 90 Minuten lang hören, aber das Lied verändert sich ja immer wieder innerhalb der 90 Minuten: Der Text verändert sich durchgehend und die Musik verändert sich auch, von daher fände ich das durchaus spannend, aber ich weiß nicht, ob ich das aushalten würde (allgemeines Gelächter).
Man muss sich darauf einlassen, wie auf einen Spielfilm, sich auf die Couch setzen, Wein, Bier oder Cola nehmen und sich – wie gesagt – darauf einlassen, dann geht das. Aber an sich bin ich schon jemand, der Lieder bis zum Erbrechen hören kann. Manchmal habe ich eine Playlist, die aus zwei Liedern besteht.

Martin: Oder der Challenge-Gedanke, der ist manchmal auch ganz gut wenn man das durchhören will. Man sagt sich: Wir setzten uns davor und ziehen das durch – bis zum bitteren Ende. Das hilft manchmal auch.

Pfeil Wie lange habt ihr das Lied aufgenommen?

Lenne: Ich habe die Refrains eingesungen. Das Lied besteht ja aus zweieinhalb Strophen und 494 Refrains – das waren zwanzig PDF-Seiten voll mit Text, wir haben immer eine Seite am Stück eingesungen. Wenn man einen normalen Song einsingt, ist das ja eine andere Situation, man kennt die Texte auswendig – aber diesen Text konnte ich nicht auswendig, ich musste ablesen und habe natürlich auch Fehler gemacht.

Martin: Als der Text dann geschrieben und aufgenommen war, folgte die musikalische Variationsphase. Wir haben geguckt, wo noch irgendwelche Instrumente, Variationen und Melodien hinzukommen könnten – das dauert dann ja auch noch mal.

Pfeil Aber es wurde jetzt nicht 90 Minuten am Stück eingespielt?

Martin: Also es gibt schon ein Grundpattern, aus dem immer mal wieder etwas kopiert wurde, aber es gibt immer wieder Variationen, die hinzu kommen: Fünf Minuten setzt eine Gitarre ein, dann setzt das Schlagzeug – solche Sachen.

Pfeil Euer neues Album erschien auf einem Majorlabel, was hat sich dadurch verändert?

Lenne: Es hat sich vor allem dahingehend verändert, dass es ein viel größeres Team gibt. Vorher war es so, dass wir mit zwei, drei Leuten zusammen gearbeitet haben, jetzt ist es so, dass es jemanden gibt, der sich um das Radio kümmert, ein anderer um das Fernsehen, die Zeitung oder dem Online-Auftritt – insgesamt gibt es viel mehr Leute, mit denen wir im Austausch stehen. Das, so würde ich sagen, ist das, was sich im großen und ganzen verändert hat. Es war nicht so, dass wir mit denen über das Album gesprochen haben, das war schon fertig. Wir sind mit dem Album-Titel, dem Cover und den fertigen Songs zum Meeting gegangen und dann hat man mit denen darüber gesprochen, wann wir es wie herausbringen.

Martin: Das hatte auch zur Folge, dass wir eine Radioreise gemacht haben, innerhalb derer wir kreuz und quer durch Deutschland gefahren sind und überall Radiostationen besucht haben. Das sind Dinge, die man mit einem Majorlabel im Rücken wesentlich besser durchführen kann. Man fährt von Kiel bis München überall hin.

Lenne: Der spaßigste Tag dabei war: von Stuttgart nach Ulm, nach Augsburg, nach München und nach Weimar.

Martin: Letztendlich ist es nicht so, dass das Major da irgendwo sitzt und unsere Songs in der Hand hat und wir übernommen wurden. Es ist wirklich ein ganz normales miteinander Arbeiten, nur eben in größeren Strukturen.

Pfeil Stellt euch vor, Dieter Bohlen würde auf euch aufmerksam werden und zu euch sagen, dass er euch produzieren würde und ihr anschließend durch die Decke gehen würdet und dadurch unglaubliche Verkaufszahlen erreichen würdet. Seine Bedingung wäre allerdings, dass er ein Mitspracherecht von 30 Prozent haben würde – wie würdet ihr reagieren?

Lenne: Würden wir nicht machen. Ganz am Anfang, noch bevor wir einen Plattenvertrag hatten, haben wir uns mit einem Produzenten für einen Testtag im Studio getroffen – im Endeffekt haben wir unser eigenes Lied nicht mehr wieder erkannt. Es kam dann auch nicht zur Zusammenarbeit. Wir haben jetzt mit Felix Gauder einen Produzenten gefunden, wo das anders abläuft. Wir werfen unsere Ideen ein und befruchten uns gegenseitig. Er versucht aus unseren Songs etwas herauszukitzeln. Er sagt dann beispielsweise, dass er diese Stelle nicht so cool fände und wir uns etwas anderes überlegen sollten. Das Entscheidende ist, dass das alles in unserer Hand liegt – wir können mit entscheiden. Uns geht es ja nicht primär darum einen Mega-Hit zu landen, sondern wir wollen ja schon mit unserem Zeug Erfolg haben. Und Dieter Bohlen ist ja genau so ein Produzent, der Songs für seine Künstler schreibt und das wollen wir nicht aus der Hand geben.

Pfeil Wen hat den eigentlich euer Produzent Felix Gauder noch produziert?

Lenne: Das ist lustig: E-Rotic, Das Modul, auch den Schnuffelhasen, er hat ganz viel Trash gemacht, das ist allerdings das Gute: Er ist nicht so jemand, der auf Coolness oder irgendwelche Richtlinien Wert legt, er macht einfach das, worauf er Lust hat.

Pfeil Also eure Texte würdet ihr nicht aus der Hand geben?

Lenne: Nee. Alles was wir bisher gemacht haben, haben wir selber geschrieben.

Martin: Die Texte sind ja auch die Basis des Ganzen. Es kommen sehr viele Stile zusammen, aber die Texte sind das kippende Element. Wenn die Texte extern wären, wäre nicht mehr viel vom Label Phrasenmäher übrig.

Lenne: Ich könnte mir schon vorstellen ein Lied zu covern, mir geht es allerdings nicht darum mir einen Hit schreiben zu lassen.

Pfeil Was zeichnet einen guten Text aus?

Jannis: Einen guten Text zeichnet ein guter Inhalt aus. Es gibt ja viele Bands, die legen extrem viel Wert auf Reime, andere Bands legen viel Wert auf originelle Wörter – ich finde, dass der Inhalt sehr wichtig ist. Ich möchte etwas vermitteln über einen Text, das ist ja nichts anderes als ein Medium. Und wenn mir das gelingt und ich emotionalen Zugang zu dem Hörer kriege und es bewegt irgendwas, dann ist es für mich ein guter Text.

Pfeil Ihr habt die Musik für die Kinderserie „Ene-Mene-Bu“ komponiert – wie kam es dazu?

Lenne: Das war eine Anfrage, die an unser Management ging. Ursprünglich wurden die Fantastischen Vier angefragt, die haben das nicht gemacht und uns vorgeschlagen. Sie haben gesagt: „Hey wir haben hier eine andere Band, die können das!“ Dann haben wir uns mit den Machern der Sendung zusammengesetzt und schnell gemerkt, dass das funktionieren kann und sie waren zufrieden.

Pfeil Stichwort „Kindheit“ – was war die erste Platte, die ihr euch gekauft habt?

Lenne: Meine erste Maxi-CD war „Hymn“ von Music Instructor, das war so Euro-Dance-Trash.

Martin: Bei mir war es Helge Schneider „Es gibt Reis“.

Pfeil Und was läuft derzeit am häufigsten in euren Audio-Abspielgeräten?

Lenne: Im Moment höre ich viel den „Walter Mitty“-Soundtrack.

Martin: Bei mir läuft gerade Manfred Krug, weil ich da eine Hausarbeit drüber geschrieben habe.

Pfeil Wart ihr schon mal zuvor in Göttingen, wie gefällt es euch?

Lenne: Ich war bereits während drei Konzerten in Göttingen, zuvor haben wir immer im Nörgelbuff gespielt. Das ist ja ziemlich zentral, daher kenne ich nur den Innenstadt-Bereich. Ich war zu Studentenzeiten hier. Ich habe ja in Lüneburg studiert und vom Flair her hat es mich daran erinnert, es war nur etwas größer. Von daher hat es mir gefallen, da ich einen Zuhause-Bezug hatte.

Martin: Bei mir ist es ähnlich. Die Stadt habe ich mitgekriegt, als wir zwei Stunden vor einem Konzert ein bisschen Zeit hatten und ich mich umgesehen habe.

Lenne: Und es gibt hier ja diesen Planetenweg, das fand ich spannend. Aber ich habe auch einen kleinen Kritikpunkt – es gibt zu wenig Fußballkneipen in der Innenstadt, allerdings bin ich echt ein nerdiger Fußballfan.

Pfeil Wenn du so ein nerdiger Fußballfan bist, was ist denn deine Lieblingsmannschaft?

Lenne: Leider der HSV. Im Moment ist das ja nicht der beste Verein. Aber ich bin generell Hamburg lokalpatriotisch, außer in dieser Saison sympathisiere ich auch mit Sankt Pauli.

Pfeil Und du Martin, wie steht es bei dir mit Fußball?

Martin: So richtig Fan bin ich von keiner Mannschaft aus der ersten Liga. Eine Sympathie habe ich für Werder Bremen. Und RB Leipzig halte ich für ein spannendes Projekt, da gucke ich immer wieder darauf. Stern

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