Ihren Sound bezeichnen sie als „Liedermaching Untergrund“, auch einer ihrer Songs heißt so. Liedfett spielen ausschließlich auf akustischen Instrumenten, einer Gitarre und einer Kistentrommel, dem Cajón. Der Gesang ist zweistimmig; schnoddrig hanseatisch. Ihre Texte handeln allgemein vom Leben, auch mal vom Trinken – wirken jedoch keineswegs platt. Sie sind wahrlich kreuz und quer durch die Republik gereist und haben auf sämtlichen Bühnen gespielt. Ihr zweites Album „Klarkomm“ erschien 2013. Derzeit sind sie gemeinsam mit Das Pack auf Tour. Am 15. Januar 2014 traten Liedfett im Exil auf und heizten ein. Leben 37 nutzte die Gelegenheit, um sich mit den Jungs unter anderem über die Vorzüge einer Akustik-Band und klassisches Liedermachertum zu unterhalten.

Pfeil Ihr seid eine Akustik-Band – wie kamt ihr dazu euch dieses Dogma aufzusetzen?

Lucas: Das hat sich so entwickelt, es war logistisch leichter umzusetzen. Früher sind wir mit einem Toyota Yaris auf Tour gewesen, da passte alles rein. Wären wir damals mit Schlagzeug und Gitarrenverstärker unterwegs gewesen, hätte das nicht geklappt. Und Straßenmusik ist auch schwierig zu machen mit E-Gitarre.

Pfeil Also ihr habt auch mal Straßenmusik gemacht?

 Lucas: Ja, haben wir früher gemacht.

Daniel: Anfangs bestand die Straßenmusik aus einer Gitarre und zwei Sängern. Manchmal hat man allerdings die Gitarre kaum gehört, wodurch der Unterhaltungsfaktor ein bisschen untergegangen ist, ein Cajón hatten wir ja damals auch noch nicht dabei. Wenn wir auf guten Plätzen waren, also da wo die Akustik gut war, war es richtig cool, doch eigentlich muss man unseren Sound verstärken. Aber: Es gibt ein paar Ideen und Pläne, dass wir demnächst wieder richtig Straßenmusik machen.

Pfeil Schließt ihr es eigentlich kategorisch aus irgendwann auf elektronische Instrumente umzusteigen?

Lucas: Kategorisch ausschließen sollte man nie irgendwas.

Daniel: Man könnte es ausprobieren, allerdings hat sich das alles so entwickelt, das macht ja unseren Sound aus. Wenn man jetzt mit E-Gitarre und Bass spielen würde, dann würde alles ganz anders klingen und wäre auch kein Liedermaching mehr.

Pfeil Wenn man sich allerdings eure Lieder anhört, vor allem euer neues Album, dann kommt man nicht unbedingt auf die Idee, dass es sich um rein akustische Musik handelt!

Daniel: Wir haben das bewusst so gemacht, da sich die Live-Auftritte von der Platte unterscheiden sollen. Wir haben uns gesagt, dass wir das richtig fett produzieren, so dass man nicht auf das Konzert geht, hinterher die Platte mitnimmt und sich darauf alles exakt so anhört, wie man es auf dem Konzert gehört hatte.

Lucas: Weiß ich nicht, ob es unkomplizierter verläuft, man braucht auf jeden Fall nicht so viele Sachen; theoretisch kann man sich in das Wohnzimmer setzen und einfach drauflos spielen, ohne das große Apparate aufgefahren werden müssen – vielleicht ist es unkomplizierter.

Daniel: Wenn beispielsweise der Strom ausfällt, sind wir nicht ganz so dolle aufgeschmissen!

Lucas: Neulich beim „Campus Open Air“ in Leipzig war kompletter Stromausfall – wir waren die einzige Band, die spielen konnte. Wir haben einfach in der Aula gespielt, das hätten wir mit elektronischen Instrumenten natürlich nicht machen können.

Pfeil Eurer Biographie zufolge ist euer Stil irgendwo zwischen Punk, Hip-Hop und Liedermaching einzuordnen. Ihr bezeichnet euren Sound als „Liedermaching Untergrund“ – was hat es damit auf sich?

Lucas: Das Wort „Liedermaching“ wurde ja durch das Album „Extrem Liedermaching“ von Joint and Venture ins Leben gerufen, das haben wir aufgegriffen. Da wir allerdings alte Hip-Hop-Heads sind, ist dieses „Untergrund“ zustande gekommen – wir dachten uns, dass das passt!

Daniel: Das Lied ist entstanden, als wir gefragt worden, was wir eigentlich für Musik machen.

Pfeil Ihr bezieht euch konkret auf „Liedermaching“ und nicht auf „Liedermachertum“?

Daniel: Naja, das Liedermacherliedgut ist schon vorhanden.

Lucas: Degenhardt ist auf jeden Fall groß.

Daniel: Oder Hannes Wader.

Pfeil Stellt euch vor, ihr müsstet euch entscheiden zwischen einen Feature von Hannes Wader oder Sido – wen würdet ihr wählen?

Lucas: Das sind zwei verlockende Angebote.

Daniel: Ich glaube, wenn man die Wahl hätte, würde ich eher Hannes Wader nehmen. Mit Sido könnte man das wahrscheinlich immer über Geld regeln. Oder man macht mit Hannes Wader ein weiteres Lied über Cokain und versucht Sido auch dafür zu begeistern.

Pfeil Daniel, es sei deiner Mutter zu verdanken, dass ihr beim Label Ferryhouse seid, da sie euch bei einem Festival angemeldet hat – kannst du das mal näher erläutern?

Daniel: Also damals dachten wir, wir würden bei einem Musikvideo-Wettbewerb mitmachen. Ich hatte damals zu meiner Mutter gesagt: Schreib uns da ein, Hauptsache es ist nicht so etwas, wo wir irgendwelche Verpflichtungen eingehen. Dann hatte sich heraus gestellt, dass es das „Hamburg Rockt“-Battle ist. Wir dachten uns, das versuchen wir mal, dann haben wir gewonnen. Dabei ist eine längere Partnerschaft zu Ferryhouse heraus gekommen. Eigentlich war es eine glückliche Fügung von Missverständnissen.

Pfeil Welcher Interpret oder welche Band läuft bei euch derzeit am häufigsten in euren Audioabspielgeräten?

Daniel: Robert Kaufmann auf jeden Fall, auch Megaloh höre ich gerade viel.

Philipp: Ich höre gerade relativ viel Portugal The Man. Und eine Band aus einer ganz anderen Richtung: Darkest Hour.

Lucas: Ein Kumpel hatte mir ein Album empfohlen von Xavier Rudd, in den bin ich so ein bisschen verliebt, das ist so Indianer-Hippie-Digeredoo-Musik.

Pfeil Ihr seid ja eine Hamburger Band – meint ihr, die Hansestadt beeinflusst euer musikalisches Schaffen?

Lucas: Ja absolut, ich glaube die Umgebung beeinflusst einen immer sehr, ich denke, da kann man sich auch gar nicht von abschotten. Wir sind ja auch immer viel in Hamburg unterwegs und wir treffen dann die ganzen kaputten Leute – wie beispielsweise Das Pack –, die ja auch aus Hamburg kommen.

Pfeil Derzeit seid ihr mit Das Pack auf Tour – wie kam es dazu?

Lucas: Wir kennen uns alle sehr lange, seit acht Jahren oder so. Es gab immer den Wunsch, irgendwas gemeinsam zu machen. Dann festigte sich der Wunsch und es bot sich die Möglichkeit, gemeinsam zu touren.

Pfeil Ihr spielt heute im Exil, welchen Eindruck habt ihr von Göttingen?

Philipp: Es ist eine sehr schöne Stadt, finde ich. Ich habe das Gefühl, dass es eine sehr linke Stadt ist. Die Erinnerung an den Laden sind auch immer sehr schön. Meistens kommen Freunde von uns – die eigentlich aus Hamburg kommen – her,  man trifft sich wieder und trinkt ein paar Bierchen zusammen – es ist schön.

Daniel: Das erste Konzert, das wir in Göttingen spielten, war im Nörgelbuff, das war so eine Art Jam, da war eine Frau, die russische Arbeiterlieder gesungen hat, die sie freistil ins Deutsche übersetzt hatte – das war ein Abend, der sich nachhaltig in unser Gedächtnis eingebrannt hat. Allgemein erscheint mir Göttingen sehr straßenmusik- und liedermacheraffin.

Pfeil Was liegt als nächstes an, wann können wir mit einer neuen Veröffentlichung rechnen?

Daniel: Wir haben jetzt erst mal vor Kreativurlaub zu machen, für drei Monate ein bisschen zu reisen – Philipp muss noch seine Bachelorarbeit fertig machen, Lucas fährt nach Neuseeland und ich weiß noch nicht, wo ich hinfahre. Das Ganze dient dazu, dass die Lieder auf dem nächsten Album nicht nur vom Tourleben handeln sollen, weil das im Endeffekt eh niemanden interessiert. Aber im Allgemeinen sind wir in der letzten Zeit sehr viel getourt, waren durchgehend unterwegs und haben uns jetzt eine Auszeit verdient – irgendwann werden wir dann anfangen, das neue Album zu schreiben, aber es gibt noch keinen festen Termin.

Lucas: 2014 werden auf jeden Fall viele schöne Festivals bespielt, unter anderem Open Flair, Ruhrpott Rodeo und ein paar andere. Stern

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