Deutschlands Heldin hat ein neues Album veröffentlicht – solo! Die Herzen von „Wir sind Helden-Fans“ dürfen trotzdem höher schlagen: „Ein leichtes Schwert“ strotzt nur so vor Heldenmut und vielen Prisen persönlicher Kunst. Völlig allein ist Judith Holofernes zudem nicht: Die Band „Mama Rosin“ aus der französischen Schweiz unterstützt sie tatkräftig. Im Interview mit Leben 37 erzählt Judith Holofernes…

Wie lange hast du darüber gegrübelt, ob ein Soloalbum das Richtige ist? War es ein Geistesblitz oder von langer Hand geplant?

Eher eine Einsicht! Ich habe plötzlich festgestellt, dass ich offensichtlich eine Platte aufnehme. Da hatte ich schon sieben Songs!


Manche der Lieder auf „Ein leichtes Schwert“ wirken sehr nah, fast schon intim. „Liebe Teil 2“ zum Beispiel. Und doch könnte auch ich es meiner Liebe vorspielen, denn es drückt so bekannte Gefühle aus. Ist das eine Wirkung, die du dir erhofft hast?

Das ist schön! Ich habe immer das Gefühl, dass ich, wenn ich ganz persönliche Lieder schreibe, eigentlich schon wieder über das Persönliche hinausgehen kann… Das ich eigentlich über etwas Kollektives schreibe. Vielleicht ist das aber auch nur eine Illusion, damit ich mich nicht so entblößt fühlen muss!

Dein Album ist angereichert mit Bildern und sehr symbolhaft. Wie wichtig ist es dir, dass deine Zuhörer alles nach deiner Vorstellung interpretieren?

Ich weiß nicht… Ich denke beim Schreiben erschreckend wenig an den Hörer! Ich meine, ich mag meine Zuhörer sehr… aber beim Schreiben habe ich nur das Schreiben im Sinn. Obwohl. Pola sagt wiederum, ich sei in der Hinsicht beinahe autistisch, ich würde einfach davon ausgehen, dass alle die Dinge genau so verstehen, wie ich sie mir denke. Haha.

Warum singst du manchmal auf Englisch?

Das kommt ganz natürlich, ich verklemme mir einfach nichts, das mir einfällt. Die meisten meiner Songwritingvorbilder schreiben auf Englisch, daher habe ich natürlich auch einen Fundus von englischsprachigen Bildern im Kopf….
 

Wie singt es sich so als Solosängerin? Geht der Schaffensprozess anders voran, langsamer, schneller, harmonischer, zweifelnder?

Mir macht es Spaß! Bisher finde ich es eher mühelos! Das klingt bescheuert – aber ich mache einfach die ganze Zeit nur, was mir gefällt!

Hast du eine Strategie beim Schreiben deiner Lieder?

Nein, eigentlich nicht… Sowieso habe ich die meiste Zeit nicht wirklich das Gefühl, dass der Verstand besonders viel zu sagen hat beim Schreiben…

Hast du Favoriten auf deiner neuen Platte?

Ah, schwierig. Bei einer Bandplatte hat man immer Liebslingskinder, weil die Ideen natürlich zu unterschiedlichem Maß die eigenen sind. Aber bei einer Soloplatte… Hmmm. Vielleicht „MILF“. Und „Pechmarie“. Und „Nichtsnutz“. Und „Danke ich hab schon“. Und „Platz da“, weil ich mit dem Herrn Bonaparte so außerordentlich viel Spaß hatte.

Gut, dass du „Mama Rosin“ aufgetrieben hast, die sind ja großartig! Wie seid ihr zusammengekommen und werdet ihr auch live gemeinsam auftreten?

Jaaa, die sind toll, oder? Ich bin ganz verknallt. Die drei sind ganz nebenbei auch ganz reizende Menschen. Jörg hatte während der Studiozeit einen Song von ihnen im Radio gehört und mich sofort angerufen und gerufen: ICH HAB GENAU DEINE BAND IM RADIO GEHÖRT! Jetzt spielen sie auf dem Outro von Pechmarie… und auf Tour sind sie ab Wien bis zum letzten Konzert in Berlin als Support mit dabei.

Spielen „Wir sind Helden“ manchmal noch so freizeitmäßig?

Nein, leider nicht.. Weil wir ja schon seit Bandgründung in drei verschiedenen Städten leben! Zu unseren aktiven Zeiten hat das lange keine Rolle gespielt, weil wir sowieso die ganze Zeit zusammen unterwegs waren… Aber jetzt sehen wir uns nur alle paar Wochen und dann hängen wir lieber zusammen zuhause rum weil wir uns so viel zu erzählen haben.

Wie ist das, wenn die Kunst der Beruf ist? Hast du gelegentlich auch mal keine Lust auf Musik?

Nein, auf die Musik habe ich immer Lust! Ich habe vielleicht mal keine Lust zu üben, oder keine Lust vor Leuten zu spielen… Aber Musik hören und dazu tanzen oder singen, das geht immer.

Wie überwindest du eine Phase ohne Inspiration, eine künstlerische Flaute?

Indem ich sie akzeptiere! Ich habe gelernt, die Welle zu reiten, wenn sie kommt, und nicht in Panik zu verfallen, wenn Ebbe ist. Ich habe großes Vertrauen, das hilft. Meine zuverlässigste Inspiration ist die Musik anderer Leute, tolle Konzerte, Platten hören, Musikdokus gucken. Oder auch Gedichte zu lesen. Dann bin ich sofort wieder entflammt.

Der Klassiker: Mit wem würdest du  richtig gerne auftreten?

Dolly Parton! Oder Elvis Costello. Obwohl, bei beiden würde ich wahrscheinlich sterben vor Angst. Ich ducke mich schon im Backstagebereich von großen Festivals weg, wenn jemand auftaucht, den ich richtig toll finde.

Über den Autor

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.