Singendes Mitglied bei „Seven Up“, neun Jahre musikalisch aktiv bei „Ganz schön Feist“, Bühnenbetreuer beim Göttinger Altstadtfest, Workshopleiter beim ersten Stolle Musikworkshop im August 2013 – die Liste der musikalischen Tätigkeiten von Christoph Jess könnte ewig weitergehen. Seit Jahren gestaltet er die Göttinger Musikszene aktiv mit – auf und hinter der Bühne.

Das diesjährig stattfindende Jubiläumskonzert des bekannten Göttinger Events „Pop meets Classic“ liegt ebenfalls in den künstlerischen Händen von Christoph Jess. Leben 37 unterhielt sich mit ihm darüber, was die Zuschauer bei der Jubiläumsveranstaltung erwartet, mit welchen Aufgaben er sich als künstlerischer Leiter konfrontiert sieht und was eigentlich das Besondere für ihn bei diesem Konzert ist.

 Interview Pfeil Wie ist das Event Pop meets Classic eigentlich entstanden?

Christoph: Die Idee zu diesem Konzert kam damals vom Göttinger Tageblatt, dem Blick und der Lokhalle. Anlass war der 1050. Geburtstag Göttingens. Ich wurde damals von dem Göttinger Kulturamtsleiter Hilmar Beck gefragt, ob ich mir vorstellen könne, die künstlerische Leitung vom Jubiläumskonzert zu übernehmen. Sie bräuchten jemanden, der sich gut in der Göttinger Musikszene auskennt. Es sollte ein Konzertevent werden, an dem Göttinger Künstler mit dem Orchester auftreten sollten. Damals wurde befürchtet, dass nicht genug Zuschauer kommen, deswegen habe ich die vier erfolgreichsten Bands aus Göttingen engagiert: Ganz Schön Feist, Seven Up, The Living Gospel Choir und Soul Cake mit Sascha Münnich, damals der bekannteste Rock‘n‘Roll-Act in Göttingen. Das Konzert war sofort ausverkauft und da die Nachfrage sehr groß war, haben wir letztlich auch noch die Generalprobe öffentlich gemacht.

Interview Pfeil Du warst bei der ersten PMC-Veranstaltung im Jahr 2003 nicht nur künstlerischer Leiter, sondern bist auch gleichzeitig mit Seven Up aufgetreten. Wie kam es zu der Gründung von Seven Up?

Christoph: Das war eine lustige Geschichte. Ich bin damals für ein Jahr nach Kiel gegangen und habe deswegen mit meiner alten Rockband ein Abschlusskonzert gegeben. Es gab damals noch eine gewisse Konkurrenz zwischen den Rockbands, wer singt besser, wer spielt besser und ich fand das immer blöd. Deswegen habe ich zum Abschlusskonzert alle Sänger und Sängerinnen, die mir eingefallen sind, eingeladen und mit ihnen ein ABBA-Medley einstudiert. Das haben wir damals bei diesem legendären Abschlusskonzert präsentiert, und ein Jahr später haben wir uns zufällig alle wiedergetroffen und haben dann Seven Up gegründet. Es macht viel Spaß zusammen, es herrscht immer eine familiäre und lustige Atmosphäre.

Interview Pfeil Seit diesem Frühjahr ist aus der Band Ganz Schön Feist jetzt Die Feisten geworden, warum geht ihr nun getrennte Wege?

Ich habe neun Jahre lang mit Ganz Schön Feist getourt. Als ich 2003 zum ersten Mal Pop meets Classic organisiert habe, wollte ich mich eigentlich von der Bühne verabschieden. Ich kann super hinter der Bühne sein, ich finde es viel lustiger, die Musiker auf die Bühne zu schicken, als dort selbst zu stehen. Dann kam Feist und machten mir ein Angebot, das ich nicht ausschlagen konnte. Aus zeitlichen, wirtschaftlichen und auch gesundheitlichen Gründen sollte die Band nicht weiter betrieben werden. Wir haben uns nicht mehr in der Lage gesehen, 100 Konzerte im Jahr zu spielen. Ich habe außerdem in der Zeit eine Familie gegründet und das ist auch ein Grund, warum ich nicht 100 Konzerte geben kann. Ich musste etwas solider werden. Deswegen spielen die beiden zu zweit weiter und feiern beim Pop Meets Classic dieses Jahr als Die Feisten Premiere, mit einem Titel aus ihrem neuen Repertoire. Im Herbst gehen sie dann auf Tour. Unser Verhältnis ist aber nach wie vor super.

Interview Pfeil Was sind deine Aufgaben als künstlerischer Leiter?

Der künstlerische Leiter ist für die komplette Programmgestaltung zuständig, also für die Show als solches, die die Zuschauer zu sehen bekommen. Ich organisiere die richtigen Bands und bin für sämtliche Arrangements zuständig, die ich aber nicht selbst schreibe, sondern in Auftrag gebe und erkläre, wie ich mir das Arrangement vorstelle. Außerdem führe ich die gesamte Bühnenregie durch und bin für die ganzen Ablaufpläne sowie die Lichtshow verantwortlich. Das Programmheft gestalte ich auch mit, da ich die Idee von dem Konzert habe. Im weitesten Sinne bin ich außerdem dafür verantwortlich, welche Outfits getragen werden. Bis zum Schluss bin ich der einzige, der weiß, wie die Veranstaltung sein soll. Trotzdem muss man vor Ort immer noch genug improvisieren, das ist aber normal. Man muss schnell sein, global denken, und die weibliche Fähigkeit des Multitaskings ist sehr gefragt.

Interview Pfeil Was hast du für das Jubiläumsjahr besonderes geplant?

In diesem Jahr haben wir das Thema Jubiläum integriert, ohne ein Best-of-Programm zu spielen, was mir ganz wichtig war. Es sind leinwandartige Produktionen dabei, außerdem kommen auch Acts von unseren Schwester-Pop meets Classic-Veranstaltungen aus Oldenburg und Braunschweig, um auch mal andere Impulse zu setzen. Das finde ich nicht verwerflich, denn es ist immer noch eine Göttinger Show mit Göttinger Künstlern. Außerdem gibt es noch einen Überraschungsgast.

Interview Pfeil Was kannst du uns über die Acts in diesem Jahr verraten?

Es treten Seven Up, Die Feisten, What The Funk und Marlene Wenzig auf, eine entzückende 14-Jährige mit immensem Humor. Außerdem sind zum ersten Mal die Rexies mit deutschem Schlager dabei. Dazu kommt eine Hard-Rock-Band aus Oldenburg, die Scorpions spielen und Silent Radio aus Braunschweig. Besonders freue ich mich darüber, dass Judith Lefeber dabei ist. Aber auch der Living Gospel Choir ist mit auf der Bühne und natürlich das Deutsche Theater mit einem Auszug aus der Hair Produktion. Als special Guest wird Sascha Münnich erwartet, der Superstition von Stevie Wonder singt – mit entsprechender Showeinlage.

Interview Pfeil Was erhoffst du dir zukünftig von Pop meets Classic?

Ich gehe davon aus, dass es 2015 weiter geht, denn die Verkaufszahlen dieses Jahr lassen uns optimistisch in die Zukunft schauen. Ich würde mich freuen, wenn wir es wieder in der Form organisieren könnten. Ich finde es aber verfrüht zu sagen, dass ich 2015 wieder die künstlerische Leitung übernehme, da ich nicht weiß, wo ich dann bin, aber es würde mir immer wieder Spaß machen, Pop meets Classic zu organisieren. Aber nach zehn Jahren kann auch jemand anderes die Organisation übernehmen, mit ganz anderen Ideen und Visionen.

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