Von poppig melodiös hin zu berstendem Heavy-Metal – sie kennen keine Genregrenzen. Textlich bewegen sie sich zwischen kalauer-humorigen und frivolen Hymnen, wobei sie immer wieder verdeutlichen, dass sie das Entertainmenthandwerk beherrschen. Das Pack nennt sich das Duo, das aus Pensen Paletti – auch bekannt als Mitglied bei den Monsters of Liedermaching – und dem Neuzugang Timmey besteht. Am 15. Januar 2014 traten sie gemeinsam mit Liedfett im Exil auf. Leben 37 unterhielt sich mit den beiden unter anderem über Dönersoßen und die Vorzüge einer Zwei-Mann-Band.

Pfeil Ihr sagt, ihr seid eine grässliche Rock-Band – was hat es damit auf sich?

Pensen: Das hat damit zu tun, dass ich derjenige bin, der die Sachen auf die Internet-Seite schreibt – da ist mir das Wort „grässlich“ rausgerutscht. Damals habe ich nicht länger über das Wort nachgedacht, aber wenn ich länger darüber nachdenke, fällt mir auf, dass das ein sehr sehr gutes Wort ist. Unser Sound ist grässlich, weil wir einfach ätzend, scheiße und unsympathisch sind. Wenn allerdings subtile Tagediebe, beispielsweise Leute, die studiert haben oder so, die Musik hören, riechen und spüren sie die Subtilität und merken, dass das gar nicht so gemeint sein kann.

Pfeil Und der Name eurer Homepage lautet: guterporno.de – was hat es damit auf sich?

Pensen: Ich habe mir gedacht, dass der Name irgendwann Millionen wert ist. Ich habe mir auch vieltrinken.de und perversescheiße.de gesichert – das Ganze ist jetzt auch schon sieben Jahre her – heute würden wir das natürlich nicht mehr machen. Aber das Gute ist, wenn man früh anfängt, ein Haus zu bauen, dann ist man auch früher fertig, so sehe ich das mit der Webseite.

Pfeil Pensen, du spielst eine siebensaitige Gitarre – wieso eigentlich?

Pensen: Ich tue es, weil ich der Gitarrist und Bassist gleichzeitig bin. Auf der Gitarre sind sechs Gitarensaiten und eine Basssaite. Es gehen zwei Kabel raus, eines geht in den Bass-Amp, das andere in den Gitarren-Amp.

Pfeil Hast du das selbst gebaut?

Pensen: Selbst bauen lassen, also ich bin jetzt nicht mit den Lötkolben dran gegangen, aber die Idee wurde von mir höchstpersönlich in Auftrag gegeben. Ich habe auch noch eine sechssaitige Gitarre, bei der zwei Saiten fehlen, und eine tiefe H-Saite drauf ist, aber das ist jetzt irgendwie Fachidiotie – das ist für Leute, die nicht Gitarre spielen, uninteressant.

Pfeil Pensen, du bist auch noch bei Monsters of Liedermaching, spielst also in zwei Bands, ist das noch unter einen Hut zubringen?

Pensen: Ja, das geht. Das mache ich ja schon immer. Ich habe schon immer eine laute Band und eine Liedermacher-Band gehabt – das geht. Man muss es sich halt gut organisieren, das ist ja das halbe Leben von einem Freiberufler, das man die ganze Kacke organisiert.

Pfeil Timmey, du bist der Neuzugang beim Pack.

Timmey: Ja, ich fahre ja schon seit Jahren bei Das Pack mit als T-Shirt-Verkäufer. Und dann hat irgendwann mein Vorgänger beschlossen, dass er sein Leben verändern wollte – es gab eine freundschaftliche Trennung, ohne böses Blut. Und da ich eh immer dabei bin, hat Pensen mir so viel Vertrauen geschenkt und mich gefragt, ob ich nicht Schlagzeug lernen wollte. Ich hab dann gesagt: Klar.

Pfeil Ach, vorher hast du überhaupt kein Schlagzeug gespielt?

Timmey: Nein. Also ich habe vorher Gitarre gespielt, ich denke, dass das geholfen hat.

Pensen: Aber eigentlich ist Timmey auch schon lange beim Pack, also in der Familie. Er hatte zuvor auf der Tour nur ein anderen Arbeitsplatz gehabt. Von daher war es weder für mich noch für ihn eine Neugewöhnung. Timmey spielt jetzt etwas über ein Jahr bei Das Pack Schlagzeug, bevor es losging, hatte er ganze sechs Wochen Zeit gehabt zum Üben, dann ging es gleich drei Wochen auf Tour.

Pfeil Timmey, du betreibst ja noch den Versand Timmerch – erzähle doch mal, was es damit auf sich hat.

Timmey: Ja das hat sich alles organisch entwickelt. Ich bin damals eher so nebenbei als Mercher bei den Schröders mitgefahren. Und dann kam irgendwann Pensen zu mir und sagte: „Du, ich habe ne tierische Band, die heißt Das Pack!“ Und dann kamen noch andere Bands hinzu, und es wurde irgendwann so halb professionell – so hat sich das alles mit dem Shop entwickelt. Das ist alles gut so, wie es ist – aber jetzt liegt meine Priorität erst einmal auf dem Schlagzeug.

Pfeil Ist man als Zwei-Mann-Band eigentlich schneller in der Umsetzung als eine konventionelle Band?

Pensen: Ja, total. Man hat viele Vorteile. Allerdings ist es so, dass ich als Gitarrist hin und wieder gerne ein Solo spielen würde, mich dann allerdings gegen das Solo entscheiden muss, da ich ja aufhören müsste Bass zu spielen, sofern ich ein Solo spiele. Letztlich muss man musikalisch ein paar Rückschritte machen, die in Wahrheit allerdings zwei Schritte vorwärts sind. Auch der Informationsfluss ist schneller – wenn ich Timmey anrufe, dann habe ich die ganze Band erreicht. Man kann alles zu zweit besprechen.

Pfeil Welche Bands laufen derzeit am häufigsten in euren heimischen Audioabspielgeräten?

Pensen: Ich habe in letzter Zeit Slipknot und Mike Krüger gehört und so eine Schellack-Platte, die ich von meiner Mutter bekommen habe. Außerdem höre ich momentan Suicide Silence gerne. Und sofern ich entspannen will, höre ich 1990er-Jahre-Rap.

Timmey: Im Moment höre ich wieder sehr viel Pantera. Bei mir gibt es aber immer wieder verschrobene Zeiten, in denen ich Dream Theater oder alte Genesis-Sachen aus den 1970ern höre – diese Zeit ist momentan wieder bei mir eingeläutet.

Pensen: Aber die beste Band der Welt sind und bleiben die Beatles – es ist zwar eine Mainstream-Antwort, aber das sehen wir beide so.

Pfeil Was steht als nächstes an?

Pensen: Neue Platte, Digger! Wir gehen Ende März ins Studio. Die Platte wird dann irgendwie zwischen Sommer und Frühherbst rauskommen. Wir haben schon neue Lieder und eine Reihenfolge. Auf dieser Tour spielen wir bei jedem Auftritt drei neue Stücke.

Pfeil Derzeit seid ihr mit Liedfett auf Tour – wie kam es dazu?

Pensen: Das liegt daran, dass wir befreundet sind. Wir hingen ab und zu in Hamburg rum, außerdem waren die auch schon mal im Vorprogramm bei den Monsters und sind bei Timmey im Shop.

Pfeil Ihr spielt ja heute im Exil, was verbindet euch mit Göttingen?

Pensen: Göttingen ist klasse. Hier gibt es Döner mit Bratensoße, dass gibt es in Hamburg nicht! Auf der ganzen Welt, wir waren fast überall, gibt es Döner mit Tzatziki, Knoblauch- oder Cocktailsoße und hier machen die das mit Bratensoße. Außerdem hat Göttingen seinerzeit für die Liedermacher-Szene eine entscheidende Rolle gespielt, damals hat immer im Cafe Kreuzberg das nicht beschissene Liedermacher-Festival stattgefunden. Stern

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