„Komm schon und tanz mit mir“ – So lautet ein Songtitel vom aktuellen Album „Kraniche“ des Wahl-Hamburgers Axel Bosse, das im März diesen Jahres erschienen ist. Dieser Ausspruch gleicht einem Versprechen, das der 33-jährige während seiner Live-Shows stetig einzuhalten versucht. Songs wie „3 Millionen“, „Frankfurt/Oder“, „Leuchtturm“ und „Schönste Zeit“ katapultierten den sympathischen Sänger und Songwriter in die Charts. Leben 37 traf sich nach einem Konzert mit dem „entschleunigten“ Energiebündel und sprach mit ihm über seine Musik.

Interview Pfeil Auf der Bühne zeigst du vollen Körpereinsatz, da springt der Funke schon nach den ersten Songs auf das Publikum über. Wie hältst du dich fit?

Axel: Ich treibe zwar gerne Sport, aber bei mir hat sich mit der Zeit schon ein klein wenig der Robbie Williams eingeschlichen, der wenn er frei hat gerne mal Chips isst und „dick“ wird. Ich fange immer erst auf Tour wieder an morgens acht Kilometer zu joggen, in die Sauna zu gehen, Fitnessübungen zu machen und dann abends auf der Bühne zu tanzen.

Interview Pfeil Auf deinem neuen Album „Kraniche“ singst du von „Liebe“, „Freundschaft“ und „Entschleunigung“. Nach deinem vierten Album „Wartesaal“ hast du dir eine Auszeit genommen und bist mit Frau und Kind für ein halbes Jahr nach Istanbul gegangen. Wie „entschleunigt“ man in einer so lebendigen und dynamischen Stadt?

Axel: Dieser temporäre Rückzug war nötig, um mich wieder neu zu finden. Dass die Wahl auf Istanbul gefallen ist, war Zufall. Es lag ein- fach daran, dass meine in Istanbul geborene Frau, die von Beruf Schauspielerin ist, zu der Zeit einen Film gedreht hat und dann dort auf Promotion-Tour war. Istanbul ist eine faszinierende Stadt. Hochkulturell, jung und wach.

Interview Pfeil Wie bist du aus der Auszeit zurückgekommen?

Axel: Entspannter, ausgeglichener, musikalisch in mir ruhend. Ich bin endlich an einem Punkt angelangt, wo mir musikalisch keine Grenzen gesetzt sind und ich nicht mehr das Gefühl habe, dass ich die Musik für andere Menschen machen muss. Das empfinde ich als ungemein erfüllend.

Interview Pfeil Zurück zu deinen musikalischen Anfängen. Du hast mit 17 die Schule abgebrochen und dein erstes Album aufgenommen. Bis zu deinem musikalischen Durchbruch musstest du aber Durchhaltevermögen beweisen. Hast du nie an dir und deiner Musik gezweifelt?

Axel: Finanziell war das am Anfang gar nicht so das Problem, weil ich ja gleich einen Plattenvertrag bei Sony unterzeichnet habe. Für meine Eltern war es gut zu wissen, dass ihr Sohn die Leidenschaft zur Musik ernst nimmt. Aber die Zeit zwischen dem zweiten, nicht so erfolgreichen Album, das ich persönlich aber so super fand, und dem dritten Album „Taxi“ war nicht ganz einfach, da ich zeitgleich auch noch Vater geworden bin. Das war schon eine Zeit, in der ich mit meinem Musikerdasein gehadert habe.

Interview Pfeil Wenn deine siebenjährige Tochter später einmal sagen würde, „Papa, ich schmeiß jetzt die Schule und mache Musik.“ Wie würdest du reagieren?

Axel: Ich glaube, da habe ich von meinen Eltern eine Menge gelernt, denn die haben mich ohne mit der Wimper zu zucken aus dem Konstrukt gehen lassen und gesagt: „Wenn du das machen willst, dann mach es.“ Was meine Tochter angeht, vertraue ich darauf, dass sie ihren Weg finden und gehen wird.

Interview Pfeil Dein erstes Album heißt „Kamikazeherz“. Was kann ich mir darunter vorstellen? Liebe und gebrochene Herzen?

Axel: Mein erstes Album ist für mich immer noch das Werk eines Typen, der eigentlich gerne Philosophie studiert hätte. Zu der Zeit mochte ich auch verschnörkelte Bilder sehr gern. Was ein „Kamikazeherz“ ist, kann ich so genau gar nicht sagen. Aber im Groben geht es um Selbstzerstörung und darum, auch andere mit reinzureißen. Kamikaze kann im Hinblick auf die Songs des Albums auch so interpretiert werden, dass man sich manchmal viel zu schnell verliebt und plötzlich merkt, dass das Gefühl verflogen ist. So war es auch letzten Endes auch gemeint, dass man durch eine verzweifelte Suche und zu viel Offenheit sich selbst und andere ins Elend treiben kann.

Interview Pfeil 2011 hast du beim Bundesvision Songcontest mitgemacht und den dritten Platz belegt, war das der Durchbruch?

Axel: Mein persönlicher Durchbruch war der, als ich die erste Version von „Frankfurt/Oder“ für das zweite Album „Guten morgen Spinner“ geschrieben habe. Bei dem Song hat auch Sven Regener von „Element of Crime“ Trompete gespielt. Aber gemerkt, dass es richtig gut läuft, viele Leute zu den Konzerten kommen und wir im Radio gespielt werden, habe ich erst bei dem Lied „3 Millionen“ auf dem dritten Album „Taxi“, das wir auch selber veröffentlicht haben. Die Teilnahme am Bundesvision Songcontest mit der zweiten Version von „Frankfurt/Oder“ im Duett mit Anna Loos war dann noch das „i-Tüpfelchen“.

Interview Pfeil Welcher deiner Songs liegt dir am meisten am Herzen?

Axel: „Frankurt/Oder“, aber in der ersten Version des zweiten Albums. Die ist meistens dichter am Song und somit die ehrlichere. Für mich ist es besonders wichtig, wo und warum ich einen Song geschrieben habe. Wie schnell es ging und wie der Moment war, als ich ihn aufgenommen habe.

Interview Pfeil Wo hast du „Frankurt/Oder“ geschrieben?

Axel: Auf La Gomera mit meiner damals schwangeren Frau.

Interview Pfeil Warum fiel die Wahl auf den Albumt tel „Kraniche“?

Axel: Der Flug der Kraniche ist nicht nur ein tolles Naturbild, sondern ich mag die mythologische Bedeutung des Wortes sehr. Der Kranich steht in Japan für Glück und Langlebigkeit. Auf dem Album bildet der Song „Kraniche“ für mich den Mittelpunkt des Albums, weil er musikalisch und textlich alles zusammenfasst.

Interview Pfeil In dem Song geht es um das Sortieren von Neurosen. Pflegst du auch welche?

Axel: (lacht) Höchstens ein paar und ich glaube, die liegen noch im normalen Standardbereich.

Interview Pfeil In dem Song „Schönste Zeit“ bringst du den Tod von Kurt Cobain mit deiner ersten großen Liebe in Verbindung. Welche Bedeutung hat Kurt Cobain für dich?

Axel: Kurt Cobain war für mich nach David Bowie der größte Charismatiker. Ich wollte in der Vorpubertät genauso aussehen und sein wie er, denn ich war damals wohl eher das Gegenteil.

Interview Pfeil Wie stell ich mir denn das fleischgewordene „Gegenteil“ von Kurt Cobain vor?

Axel: In etwa Pierre Littbarski meets Freiwillige Feuerwehr.

Interview Pfeil Hast du musikalische Vorbilder?

Axel: Musikalische Vorbilder weniger. Ich habe eher „Karriere“-Vorbilder. „Element oft Crime“ finde ich zum Beispiel super. Die ma- chen alles auf eine gemütliche Art und Weise. Die machen tolle Platten, schreiben gute Bücher und werden gemeinsam und entspannt zusammen älter.

Interview Pfeil 2005 warst du als Support-Act mit „Mando Diao“ auf ihrer „Hurricane Bar“- Tour unterwegs? Wie kam es dazu und wie war es?

Axel: Der Manager von Mando Diao hat uns bei einem Konzert in Frankfurt live gesehen und fand uns gut. Dann hat er der Band ein paar Lieder von uns vorgespielt und die fanden uns auch gut. Der Rest ist Geschichte. Das hat schon Spaß gemacht. Die Jungs von „Mando Diao“ sind auch echt nett. Tagsüber laufen sie in legeren Jogginganzügen durch die Gegend und abends zwängen sie sich in ihre engen Anzüge.

Interview Pfeil Wenn wir gerade von Support-Bands sprechen. Bei deinem Konzert am 17. August 2013 in Braunschweig auf der Volksbank BraWo Bühne wird „Tonbandgerät“, die Gewinner-Band des „New Music Award 2012“, mit dir zusammen auf der Bühne stehen. Wie bist du auf die vier aufmerksam geworden?

Axel: Über deren Manager, der zudem auch der Manager von „Madsen“ und „Tomte“ ist. Dieser hat mir irgendwann mal ein paar Stü- cke von „Tonbandgerät“ geschickt und ich fand die super. Die sind zwar noch blutjung, aber machen tolle Musik mit aussagekräftigen Texten. Am 21. November 2013 kommen die vier auch zu euch nach Göttingen und geben ein Konzert in der Musa.

Gewinnspiel:

Leben 37 verlost unter allen Teilnehmern, die bis zum 14.08.2013 eine Mail (bitte Adresse angeben) mit dem Stichwort „Kraniche“ an leben37[at]goettinger-tageblatt.de schicken, 2 x 2 Tickets für das Bosse-Konzert am 17.08.2013 in Braunschweig.

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