Am 22.06.2013 traten Bizarre Ride II The Pharcyde in Hannover auf. Die Gruppierung besteht unter anderem aus den zwei ehemaligen The Pharcyde Mitgliedern Fatlip und Slimkid3. Sie performten das zwanzig Jahre alte Debütalbum „Bizarre Ride II The Pharcyde“. Die Jungs machten deutlich, dass sie noch nicht müde sind und voll im Saft stehen. Leben 37 nutzte die Gelegenheit, um sich mit Fatlip und dem quasi neuen Mitglied K-Natural zu unterhalten.

Interview Pfeil Auf der einen Seite gibt es euch: Bizarre Ride II The Pharcyde. Auf der anderern Seite gibt es aber auch noch The Pharcyde, mit den zwei ehemaligen Mitglieden Imami und Bootie Brown. Was hat es damit auf sich?

Fatlip: 1996 sind wir auseinandergebrochen. Ich war der erste der die Gruppe verlassen hatte, während die anderen weitermachten. Ich brachte damals mein Solo-Album heraus, mit mäßigen Erfolg. Irgendwann wurde es Zeit eine Reunion-Tour zu machen – alle zusammen. Wir starteten die Reunion-Tour mit vier originalen Mitgliedern, da wir einige Dinge auf dieselbe Art und Weise sahen: Wir konnten Geld verdienen und für unsere Fans weiter bestehen. Wir sind ja auch damals eine Gruppe geworden, da wir alle Musik und Hip-Hop lieben und über dasselbe Talent, oder wie auch immer man das nennen mag, verfügen. Als wir dann allerdings gemeinsam auf der Tour unterwegs waren, gab es Konflikte: das Geld, das Ego – all dies staute sich auf. In einer früheren Lebensphase, als ich zwanzig war, war das alles noch kein so großes Thema, aber als wir dann alle älter wurden, mussten wir irgendwie einsehen, dass wir nicht die Leute sind, die miteinander rumhängen oder sich zum Barbecue einladen. So ist das mit Imami und Bootie Brown – mit Slimkid ist alles cool. Zwar haben auch wir in einigen Punkten verschiedene Meinungen, aber wir können gemeinsam rumhängen, Bier trinken und so.

Interview Pfeil Wie fühlt es sich an, gemeinsam auf der Bühne euer zwanzig Jahre altes Debütalbum „Bizarre Ride II“ zu spielen?

Fatlip: Damals haben wir ein monumentales Werk erschaffen. Wir werden von Leuten gehört, die nicht einmal geboren waren, als unsere Musik herauskam. Es fühlt sich fantastisch an, unglaublich – eine Belohnung!

Interview Pfeil Sehr bekannt ist euer Video „Drop“, in dem alles irgendwie rückwärts läuft, surrealistisch wirkt. Wie lange musstet ihr eigentlich dafür üben?

Fatlip: Wir übten eine ganze Weile, ein paar Wochen oder so. Seit mehreren Jahren werde ich immer wieder gefragt: „Wie habt ihr das damals gemacht?“, aber ich kann es gar nicht mehr genau sagen. Ich weiß nur, dass wir unsere Bewegungen rückwärts gemacht haben und der Regisseur … keine Ahnung – ich weiß es wirklich nicht mehr. Aber Spike Jonze, der Regisseur, ist verrückt, ein Improvisationstalent. Drop war das erste Video, das wir mit ihm gemacht haben. Das zweite The Pharcyde Album „Labcabcalifornia“ wurde zu großen Teilen von J Dilla produziert, der war damals noch nicht so bekannt. Er ist beispielsweise verantwortlich für den Track „Runnin“.

Copyright: Jan Rebuschat

Interview Pfeil Was habt ihr damals gedacht, als ihr von seinem Tod erfahren hab?

Fatlip: Es ist immer hart, wenn jemand stirbt. Ich habe ihn damals kennengelernt, als wir „Labcabincalifornia“ aufnahmen. Damals nannte er sich noch Jay Dee. Ich denke, er gehört einer anderen Hip-Hop-Generation an. Doch für mich ist es immer wieder großartig zu sehen, dass seine Musik weiterlebt. Und als er damals bekannt wurde, 2000, da gab es eine Menge R&B und Pop-Zeug. Britney Spears und so kamen gerade raus – dennoch hielt er sich immer an seiner eigenen Hip-Hop-Vision fest. Durch uns ist ja damals quasi die Verbindung zu Delicious Vinyl entstanden. Vor kurzem haben sie ein J Dilla Album herausgebracht, auf dem fast jeder vertreten ist, der mit ihm zusammengearbeitet hat.

Interview Pfeil Ihr werdet soundtechnisch immer mit A Tribe called Quest und De La Soul verglichen und wart auch mit denen 1994 auf Tour – seid ihr befreundet?

Fatlip: Ja, wir waren auch Fans von denen, noch bevor unser Album herauskam. Ich erinnere mich noch genau daran, als Q-Tip und Phife Dawg bei uns anriefen, keine Ahnung wo die unsere Nummer her hatten: Ich nahm den Hörer ab, und eine Stimme am anderen Ende der Leitung sagte: „Du alter Hund, „Passin me by“ ist verdammt dope – wir lieben es“. Ich fragte dann, mit wem ich überhaupt spreche und er sagte : „Q-Tip“. Das war wirklich verrückt. A Tribe called Quest war definitiv eine Gruppe die uns unterstützt hat, ebenso De La Soul.

Interview Pfeil Können wir  ein neues Album von Bizarre Ride II The Pharcyde in der jetzigen Formation erwarten?

Fatlip: Sobald die Tour vorüber ist, werden wir aktiv. Dieser Bruder hier war schon als Youngster um uns herum (zeigt auf K-Natural). Es gibt keinen besseren als ihn, der in die Fußstapfen der ehemaligen Mitglieder treten kann. Er hat die richtigen Skills und den Swag. Seit der Anniversary-Tour im letzten Jahr ist er bei uns.

K-Natural: Unsere erste Show war im Roxy Sunset Boulevard in Hollywood – es war unglaublich! Allemöglichen Leute waren da. Wir wurden von Big Boy angekündigt, das ist sozusagen L.A.’s Funkmaster-Flex. DJ Numark und total viele andere Leute waren auch da, Kanye West hat uns bei dem Ganzen total unterstützt – es war eine Familien-Ding, bei dem das Publikum ebenso zum Teil der Familie wurde, da wir alle gemeinsam diesen Scheiß erlebt haben. Ballons flogen von der Decke, Champagnerkorken knallten. Selbst dieses Interview ist ein Teil der Geschichte, die im Roxy Sunset Boulevard begonnen hat. Klar basiert das alles darauf, was die Jungs vor zwanzig Jahren mit Bizarre Ride erschaffen haben, aber in Hollywood hat die Wiedergeburt stattgefunden.

Interview Pfeil Was haltet ihr von aktuellen Rap-Acts?

K-Natural: Mich nervt das ganze Gerede darüber wer nun wack ist. Soll ich dir sagen wer wack ist? Wack ist derjenige, der immer aufzählt wer alles wack ist und selbst nicht rappt. Derjenige allerdings, der anfängt zu rappen und am Anfang nicht gut ist, kann sich verbessern. Die besten Rapper waren nicht diejenigen, die gleich zu Anfang gut rappen konnten. Es waren eher die, die am Anfang schlecht waren, aber sich weiterentwickelt haben – Entwicklung ist das Schlüsselwort! Aber zurück zur Frage: Jeder Rapper hat das Zeug dazu dope zu werden, sofern er seinen eigenen Weg geht.

Fatlip: Ich mag ja eigentlich nur eine bestimmte Art von Hip-Hop, um ehrlich zu sein, das Eastcoast-Zeug. Mit den meisten Westcoast-Sachen kann ich nicht so viel anfangen. Ich mag eher das Jazzige. Aber eigentlich mag ich jeden Künstler, egal von welchem Genre, sofern er sein Ding mit Herzblut macht – das muss ich jetzt mal als Rapper erwähnen. Allerdings habe ich einen Favoriten, sowohl als Rapper, als auch als Producer: Kanye West – und das sage ich nicht nur weil Kanye „Bizarre Ride“ als das beste Album aller Zeiten bezeichnet.

Pharcyde

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