Mit der Coverversion von Trude Herrs „Morgens immer müde“ belegten sie den 2. Platz beim Bundesvision Song Contest 2012. Anschließend wurde der Song für einen Werbespot verwendet und katapultierte ihn in die Charts. Minimale elektronische Klänge und deutscher Soul-Gesang sind die Charakteristika der Band Laing. Der Name geht zurück auf den Geburtsnamen der Mutter von Leadsängerin, Texterin und Produzentin Nicola Rost. Laing ist bekannt für eine aufwendige Bühnen-Show mit Choreographie. Anlässlich der Veröffentlichung ihres Debüt-Albums „Paradies Naiv“ unterhielt sich LEBEN 37 mit Nicola Rost.

Pfeil Das Gründungsjahr von Laing wird im Jahr 2007 datiert. Gab es damals eine bestimmte Idee oder ein Konzept?

Nicola: 2007 standen wir das erste Mal auf der Bühne, allerdings noch ohne Tänzerin. In der Konstellation, wie wir heute auf der Bühne stehen, existieren wir seit 2008. Es gab am Anfang kein richtiges Konzept. Es hat sich eins nach dem anderen ergeben. Ich habe angefangen mit meinem Computer Beats zu basteln und mehrere Gesangsspuren übereinander zu legen. Irgendwann war es dann soweit, dass ich damit auf die Bühne ging, da habe ich gemerkt, dass es unsexy rüberkommt, wenn die Gesänge aus der Konserve kommen – daraufhin habe ich mich im Freundeskreis nach Sängerinnen umgehört. Dann kam die erste Sängerin, anschließend die zweite, irgendwann kam noch die Choreographie hinzu.

Pfeil Warst du vor Laing schon in einer anderen Band oder an irgendwelchen Projekten beteiligt?

Nicola: Nee, also ich habe schon immer viel bei CDs mitgegrölt, allerdings nie wirklich in einer Band. Ich habe zwar mal einen Refrain für ein paar Freunde, Hip-Hopper, eingesungen, aber ich bin nicht davon ausgegangen, dass ich Sängerin werden würde – das stand überhaupt nicht auf meinen Zettel.

Pfeil Okay, dann hat sich alles im Laufe der Zeit entwickelt?

Nicola: So blöd es klingt: Es hat sich alles einfach irgendwie ergeben. Ich habe einfach angefangen Songs am Computer zu machen – völlig unbefangen. Als ich die Sachen Freunden zeigte, kamen positive Resonanzen. Die Freunde haben es wiederum ihren Freunden gezeigt, so kam der Stein ins Rollen. Und dann dachte ich mir: Mir macht es Spaß Songs zu schreiben und die Leute haben Spaß daran sie zu hören – das kann ja nur richtig sein.

Pfeil Ihr bezeichnet eure Musik als „Electronic-Ladysound“, man hört auf jeden Fall einen Techno-Einfluss heraus. Welchen Einfluss hat elektronische Musik auf dich?

Nicola: Als totale Musik-Liebhaberin mache ich mir keine Gedanken darüber, welchem Genre ein Stück zugeordnet wird. Ich mag beispielsweise gerne Orchester-Musik, was ja irgendwie im völligen Gegensatz zu Minimal-Techno steht. Der Laing-Sound hat sich aus sich selbst entwickelt – der Computer hat mir die Möglichkeit geboten, Songs zu produzieren, unabhängig von einer Band und Instrumenten. Zwar habe ich ein Faible für elektronische Klänge und quantisierte Sounds, allerdings ist es nicht so, dass mein Herz nur für elektronische Musik schlägt.

Pfeil Euer Album „Paradies Naiv“ wurde vor kurzem veröffentlicht. Wie sind die Resonanzen?

Nicola: Manchmal ist ein ulkiges Gefühl, dass es für andere neu ist – die Songs auf „Paradies Naiv“ begleiten mich schon lange, in den letzten zwei Jahren war ich täglich von der Musik umgeben. Es überrascht mich allerdings, aus wie vielen Ecken Feedback kommt. Das Album wird häufig als sehr „offen“ und „mutig“ wahrgenommen – manchmal mache ich mir dann Gedanken, ob ich eventuell zu offen bin. Die Songs sind ja alle in einem privaten Kontext entstanden. Ich war immer alleine im Studio und habe einfach das gemacht, was sich richtig anfühlte. Jetzt fühle ich mich ein bisschen aus der Höhle gezogen.

Pfeil Habt ihr mehr männliche oder mehr weibliche Fans?

Nicola: Das kann man ja ganz schwer abschätzen; es stellt sich ja auch die Frage, ob dafür Konzerte repräsentativ sind oder nicht. Tendenziell haben wir viele weibliche Konzertbesucher. Manchmal stehen etwa 70% Frauen vor der Bühne, ein anderes Mal ist es wiederum ausgewogen. Auch altersmäßig kann man es nicht festnageln: Neulich bei einer Autogrammstunde kamen lauter 15 Jährige; bei einem Konzert in Frankfurt schienen viele Konzertbesucher der Altersgruppe 50+ anzugehören, man sah überall graue Haare. Ich habe das Gefühl – vielleicht ist es auch ein geheimer Wunsch –, dass die Besucher aus allen Ecken kommen.

Pfeil Du bist Texterin und Leadsängerin von Laing. Verfolgst du beim Texten und Komponieren eine bestimmte Vorgehensweise?

Nicola: Bei einem Text gibt es immer einen bestimmten Moment, in dem man eine Idee hat – diesen Moment kann man nicht wirklich begünstigen. Die Ideen entstehen beispielsweise, wenn ich mich mit anderen Leuten unterhalte, ein Buch oder ein Gedicht lese und mich eine Zeile berührt. Meistens beginne ich einen Text in Gedichtform, losgelöst von der Musik. Ähnlich verhält es sich mit den Beats, ich probiere verschiedene Grooves und Harmonien, losgelöst vom Text. Und wenn ein Text fertig ist, probiere ich ihn auf verschiedenen Beats aus, passe das Ganze an usw.

Pfeil Hast du irgendwelche bestimmten Vorbilder?

Nicola: Ich liebe Tucholsky und Kästner, die haben eine klare, humorvolle, aber auch zynische Sprache – die ich total wirkungsmächtig finde. Was Songwriting anbelangt, bin ich ein großer Fan von Burt Bacharach, was Covern anbelangt bin ich ein großer Fan von Sergio Mendes. Natürlich gibt es auch Interpreten aus der elektronischen Musik, von denen ich Fan bin, eigentlich mag ich jede Art von Musik, auch R´n´B und Hip-Hop. Und – die Großen des Pops sind nicht umsonst groß – wir sind alle Fans von Michael Jackson.

Pfeil Du hast den Song „Alles nur geklaut“ von Sebastian Krumbiegel gecovert. Wie kam es dazu?

Nicola: Während einer langen Autofahrt haben wir uns mal durch die Deutschen-Pop-Hits der letzten Jahre gehört und mitgegrölt. Irgendwann kam dann „Alles nur geklaut“, keiner von uns kannte wirklich den ganzen Text, aber wir haben gemerkt, dass der Song irgendetwas Besonderes hat. Zuhause habe ich mich gleich an den Computer gesetzt und mich daran versucht – da habe ich gemerkt, dass es ein total geiler Song ist. Ich habe dem Ganzen eine Hip-Hop-Attitüde verpasst.

Pfeil Wie kann man sich das Tour-Leben einer Electronic-Ladysound-Band vorstellen?

Nicola: Wir reisen mit acht bis neun Leuten in einem Sprinter quer durch Deutschland – es hat ein bisschen was von einer Klassenfahrt. Wir sind generell recht albern – es haben sich viele Insiderwitze eingeschlichen, die man eigentlich nur verstehen kann, wenn man die ganze Zeit mit uns unterwegs ist. Manchmal reicht ein bestimmter Blick und wir müssen lachen – es ist eine eigenartige Intimität, die aufkommt. Das Tourleben ist ja im Allgemeinen recht anstrengend, aber wir versuchen, uns das Leben so schön wie möglich zu machen, hören viel Musik, oder gehen, sofern es die Zeit erlaubt, einkaufen oder im Hotel in die Sauna. Stern

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