Der gebürtige Leipziger Sebastian Krumbiegel besuchte zu DDR-Zeiten den Thomanerchor. Nach der Wende wurde er als Frontmann der Band „Die Prinzen“ berühmt. Aus seiner Feder stammen Hits wie „Millionär“ und „Gabi und Klaus“. Seit Jahren ist er auch schon politisch aktiv und wurde von der SPD-Fraktion des sächsischen Landtags zur 13. und 14. Bundesversammlung nominiert. Seit 1999 hat Krumbiegel sechs Solo-Alben herausgebracht.  Sein letztes erschien im Jahre 2012 mit dem Titel  „Solo am Piano“. Am 19. Februar trat er im Apex auf. LEBEN 37 besuchte sein Konzert und unterhielt sich mit ihm.

Pfeil Kurz nach der Wende kam der Erfolg. Das Album deiner Band „Die Prinzen“ mit dem Titel Das Leben ist Grausam  belegte 1991 Platz 6 der Album-Charts. Wie fühlte es sich an?

Krumbiegel: Wir hatten tierisches Glück am Anfang und haben die richtigen Leute getroffen – dass ging von 0 auf 100 ziemlich schnell. Als sich herausstellte, dass uns Annette Humpe, die Sängerin der Band „Ideal“, produzieren wollte, war es einfach der Hammer!  Wir gingen gemeinsam in ein Studio in Leipzig und nahmen ein paar Demo-Songs auf. Das erste Lied „Gabi und Klaus“ knallte sofort rein und die Plattenfirma sagte: „ab ins Studio – aufnehmen!“

Pfeil Du bist auf verschiedenen Ebenen politisch aktiv. Woher stammt die Motivation?

Krumbiegel: Die Montagsdemos 1989 haben mich politisch angeknipst – es war eine heiße Zeit. Es waren so viele Leute auf der Straße, dass die DDR-Führung nicht mehr daran vorbei gekommen ist –  man hat gemerkt das man was verändern kann. Im Allgemeinen finde ich es allerdings total normal sich politisch zu engagieren, ich bin so erzogen worden. Beispielsweise war ich am 13. Februar in Dresden um den großen „Nazi-Aufmarsch“ zu blockieren. Dieses Thema ist mir sehr wichtig, deshalb bin ich auch mit einem Anti-Nazi Programm an Schulen unterwegs – in Zusammenarbeit mit dem Verein „Gesicht zeigen“ aus Berlin. Außerdem habe ich ein Buch mit Flüchtlingsgeschichten herausgegeben. Geschichten über Menschen die aus allen Herrenländern nach Deutschland und Leipzig einreisen –  Gruselige Geschichten die die Menschen sensibilisieren sollen.Wenn ich merke, dass ich etwas bewegen und Leute erreichen kann, macht es mir das Spaß.

Pfeil Was hältst du von politischen Liedtexten?

Krumbiegel: Wenn nicht zu doll die moralische Keule benutzt wird, finde ich es cool. Lindenberg hat beispielsweise viele politische Lieder gemacht. Lieder wie: „Sonderzug nach Pankow“, oder „Mädchen aus Ostberlin“. Das sind alles Lieder, bei denen wir hinter der Mauer dachten: „da singt einer für uns.“  Udo Lindenberg war unser Held im Osten. Ich mag Künstler, die zeigen wo sie politisch stehen, wie Udo Lindenberg oder auch Rio Reiser. Ich sehe mich in erster Linie als Entertainer. Das ist mein Job und macht mir am meisten Spaß, dennoch verweise ich gerne auf politische Gegebenheiten und Umstände.

Pfeil Die Songs „Gabi und Klaus“ und „Millionär“ stammen aus deiner Feder. Auch Heute schreibst du noch eigene Texte. Verfolgst du beim Texten eine bestimmte Herangehensweise?

Krumbiegel: Ich verfolge kein Prinzip oder Schema – Ich bin kein „Reißbrett-Typ“. Es gibt jedoch eine Faustformel die sich häufig bestätigt: Das Lied das schnell fertig ist wird gut, wohingegen das Lied an dem man lange herumdoktert, nicht cool wird –  da ist häufig irgendwie der Wurm drin.

Pfeil Welche Interpreten hörst du derzeit am liebsten?

Krumbiegel: Ich bin ja mit klassischer Musik groß geworden, dass prägt einen schon irgendwie, dass höre ich nach wie vor gerne. Dennoch will ich mich genremäßig nicht festlegen – ich mag verschiedene Stile und Interpreten. Beispielsweise mag ich Eminem, vor allem seine ersten beiden Alben. Mit meinem Sohn war ich unlängst auf einem Muse Konzert in Hamburg. Momentan gefallen mir Kraftklub am besten. Mein absoluter Geheimtipp. Endlich mal wieder eine Band aus Deutschland, die zeigt wo der Hammer hängt!

Pfeil Neben deiner Berufung als Musiker bist du auch als Schauspieler aktiv. Beispielsweise in dem Film Max und Moritz Reloaded. Wie kam es dazu?

Krumbiegel: Ich hab immer mal gedacht, dass es cool wäre mich selbst auf einer Kinoleinwand zu sehen –  aus einem Zufall heraus hat sich dann eine Möglichkeit ergeben. Bei Max und Moritz gab es die Idee, dass die beiden Hauptpersonen nicht von Schauspielern gespielt werden sollten. Zudem hat mir das Drehbuch total zugesagt: lustig, cool und anarchisch. In dem Film geht es ja um zwei ehemalige schwule NVA-Soldaten die ein Bootcamp aufmachen. Zwar war der Film nicht erfolgreich und ist gefloppt, dennoch treffe ich immer wieder Personen die mir sagen: „Der Film war geil.“ Die Schauspielerei hat mir Spaß gemacht, es war eine schöne Erfahrung. Meine Berufung ist und bleibt allerdings die Musik.

Pfeil Durch deine Auftritte bist du deutschlandweit unterwegs. Gibt es noch Unterschiede zwischen der Ost- und der Westbevölkerung?

Krumbiegel: Klar gibt es noch Unterschiede, es handelt sich ja um vierzig Jahre die Ost- und Westdeutschland von einander getrennt waren und unterschiedliche Entwicklungen durchgemacht haben. Ich schaue allerdings mehr darauf was uns verbindet, als darauf was uns trennt. Es gibt ja überall Mentalitätsunterschiede: Der Rheinländer feiert mehr, die Norddeutschen sind etwas zurückhaltender und im tiefsten Bayern wird es ganz kompliziert – rein akustisch fällt es schwer sie zu verstehen. Tatsächlich erscheint mir zum Teil der Mentalitätsunterschied zwischen Nord- und Süddeutschland stärker als zwischen Ost und West.

Pfeil Du lebst in Leipzig.  Die New-York Times hat im Jahre 2010 Leipzig zum 10 wichtigsten Reiseziel bestimmt. Teilst du diese Meinung?

Krumbiegel: Ich kann das total nachvollziehen –  Leipzig ist der Hammer! Es ist eine alte Messe- und Bürgerstadt und ich denke, dass es kein Zufall war, dass die Montagsdemos 1989 in Leipzig stattgefunden haben. Die Mentalität der Leipziger ist beispielsweise eine andere als die der Dresdener. Zwar bin ich gerne in der Landeshauptstadt Dresden. Doch kommen wir noch einmal zurück zum Thema Nazis: In Leipzig gibt es keine Nazi-Aufmärsche mehr: Verschiedene Bündnisse, Vereine und Bürgerbewegungen richteten sich gegen Nazis – in Dresden sieht es anders aus. Ganz allgemeinen hat Leipzig einiges zu bieten, neben den hochkulturellen Geschichten wie Thomaner Chor und Gewandhausorchester gibt es viele versteckte Dinge, etwa alternative Jugendzentren in denen viele kreative Dinge passieren.

Pfeil Wie gefällt es dir in Göttingen?

Krumbiegel: Ich mag Göttingen und habe Bekannte hier. Stern

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